"If Hillary Clinton can’t satisfy her husband what makes her think she can satisfy America." - Mit unzähligen solch sexistischer Verbalattacken und sexuellen Übergriffen auf Frauen machte Donald Trump deutlich, wer der Boss in seinem Amerika ist. Europas "tough guys" feierten, über Trumps coole Sprüche breit grinsend, den Wahlsieg des Gleichgesinnten jenseits des Atlantiks. Schließlich teilen sie dessen simple Denkweise, die nur Freund oder Feind kennt: "Wir" und "die Anderen". Stets kampfbereite Männer der Tat, die "die Anderen" in ihre Schranken weisen, hinter elektrifizierte Zäune, mit Stacheldraht beschlagene Mauern oder heimische vier Wände. Sie trachten, die Grenzen ihres Territoriums unüberwindbar zu markieren, um damit ein für alle Mal klarzustellen, wer die Herren sind. Frauen, Migranten, Homosexuelle, letztlich alle, die sich dem Bild des starken weißen Mannes nicht fügen (wollen), gehören eben nicht dazu.

Gabriele Michalitsch ist Politologin und Ökonomin, sie lehrt an den Universitäten Wien und Klagenfurt. Foto: privat
Gabriele Michalitsch ist Politologin und Ökonomin, sie lehrt an den Universitäten Wien und Klagenfurt. Foto: privat

Dabei ist der Kampf global etabliert. Die unsichtbare, doch unerbittliche Hand des längst von Oligopolen oder Monopolen eroberten "Marktes" fordert eine "Kultur der Härte" (Zitat Wolfgang Fach). Sozialdarwinistische Anpassung an Kapitalbedingungen stellt die Voraussetzung für den Sieg im ökonomischen "Krieg mit friedlichen Mitteln" dar.

Gleichstellung bleibt hier der vermeintlich längst emanzipierten einzelnen Frau überlassen, die ohnehin "Karrierefrau" sein könne, wenn sie nur wolle. Sie möge halt ihre Doppel- und Dreifachbelastung mittels tüchtigen Managements kostengünstig an andere Frauen delegieren und so Vereinbarkeit beweisen. "Das Weib" freilich steht mehr denn je in unzähligen kulturindustriellen Produktvariationen als kopfloser sexualisierter Körper, vorwiegend liegend dargeboten, neben dem männlichen Helden und Eroberer gewinnbringend zum Verkauf.

Der globalen Konkurrenz des Humankapitals hält Rechtspopulismus nun, eine Schutz und Geborgenheit bietende imaginäre "Heimat" beschwörend, die Gemeinschaft der "Nation" entgegen. Dass Frauen im christlichen Abendland "frei", in islamischen Ländern hingegen unterdrückt seien, gilt als Beweis eigener Überlegenheit. Zugleich freilich beklagt man Erfolge des Feminismus, der nicht nur zur verbreiteten Benachteiligung von Männern geführt habe, sondern auch zu einem Mangel an heimischem Nachwuchs. Weibliche Gebärunwilligkeit, gerade der Gebildeten, treibe "das Volk" an den Rand des Aussterbens.

Solcherart ausgerichtete demographische Debatten treffen sich mit von Genetik und Neurowissenschaften beflügelten Diskursen über "natürliche" Geschlechterdifferenzen. Das Gerede von "Gender", das die unabänderliche "Natur" der Geschlechter und somit "die wahre Bestimmung der Frau" leugne, sei die Crux des gefährlichen Übels, das vor allem von den Universitäten verbannt werden müsse.

Dass Frauen kaum über Kapital verfügen, nicht einmal zwei Drittel der Arbeitseinkommen lukrieren, die meiste Arbeit unbezahlt erledigen, in wirtschaftlichen oder politischen Entscheidungspositionen äußerst selten vertreten sind, dafür aber Geld- und Zeitnot vielfach ihren Alltag bestimmen - all das stört die Profitmaximierung freilich ebenso wenig wie die Beschwörung der Heimat, im Gegenteil. Der neue Autoritarismus mit seinem Rekurs auf Tradition impliziert eine offensiv eingeforderte Retraditionalisierung von Geschlechterverhältnissen. Mit ihr geht der explizite Anspruch weißer männlicher Suprematie einher. Gegen einen solchen Weg in eine allzu dunkle Vergangenheit hilft nur Widerstand breiter Allianzen. Daher: Werdet FeministInnen!