Ob die jüngste Messerattacke mit zwei deutschen Todesopfern im ägyptischen Badeort Hurghada etwas mit dem "Islamischen Staat" (IS) zu tun hatte, ist noch unklar. Zu zahlreichen anderen Anschlägen der vergangenen sechs Monate hat sich die Terrormiliz bekannt.

Ägypten hat ein Problem mit dem Terror. Seit Jahren gibt es immer wieder Anschläge, vorwiegend gegen Einrichtungen der Regierung, gegen Soldaten, Polizisten und hohe Beamte. Aber auch Touristen wurden zum Ziel, wie etwa ein vereitelte Selbstmordangriff beim Karnak-Tempel im Juni 2015 zeigte. Auch im Norden der Sinai-Halbinsel kehrt keine Ruhe ein. Der dort aktive Ableger des IS hat bei Auseinandersetzungen mit dem ägyptischen Staat bereits hunderte Polizisten und Soldaten getötet.

Nach der Attacke auf einen koptischen Bus im Mai, bei der 29 Menschen ums Leben kamen, betonte Bundeskanzler Christian Kern das gemeinsame Vorgehen mit Ägypten gegen den Terrorismus. Doch wie sieht er aus, der Kampf des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi gegen den Terror?

Im Neusprech der ägyptischen Regierung meint "Terrorismus" längst nicht mehr nur die Aktivitäten bewaffneter Gruppen. Terror ist alles, was die Stabilität des Staates gefährdet. Und Stabilität ist in Al-Sisis Augen das uneingeschränkte Schalten und Walten seiner Regierung. Kritische Berichte in Zeitungen und Aktivisten auf der Straße, Anprangern von Korruption und Misswirtschaft; all das gefährdet jene Stabilität. Das Ergebnis: etwa 60.000 politische Gefangene, die zurzeit in Ägyptens Gefängnissen sitzen, viele von ihnen ohne Anklage oder Prozess. Laut Human Rights Watch wurden seit Oktober 2014 rund 7400 Zivilisten vor Militärgerichte gebracht. Folter stehe in den Militärgefängnissen an der Tagesordnung, heißt es.

Im Zuge des im April verhängten und im Juni auf weitere drei Monate verlängerten Ausnahmezustands wurden im vergangenen Mai 21 Websites gesperrt. Der Vorwurf: Sie würden Terrorismus und Extremismus unterstützen und Lügen publizieren. Betroffen war unter anderen die unabhängige Website Mada Masr (www.madamasr.com), die sich immer wieder kritisch gegenüber der Regierung geäußert hatte. Auf dem Index von Reporter ohne Grenzen belegt Ägypten Platz 161 von 180. Ägyptens Kampf gegen den Terror ist kein gezieltes Vorgehen gegen bewaffnete Gruppen. Es ist ein Kahlschlag in der Gesellschaft, der alle trifft, die nicht in Al-Sisis Jubelpatriotismus einstimmen.