Im Gegenteil, je mehr das sexuelle Begehren bestimmend war, desto schwieriger war es für sie geworden, aufrichtig zu lieben. Diese Entwicklung hat durch eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Glauben schließlich eine andere Richtung genommen. Eine Gotteserfahrung (wie sie sich viele Menschen wünschen) - die Begegnung mit der Liebe Jesu - hat ihr Schritt für Schritt die innere Freiheit wiedergeschenkt (sie "vom Sumpf homosexueller Begierden befreit" - wobei dies in gleicher Weise von der Verstrickung in heterosexuelle Begierden gesagt werden könnte) und ihr geholfen, gleichgeschlechtliche Beziehungen aufzunehmen, die nicht mehr erotisch bestimmt waren, sondern einfach nur aufrichtige Freundschaften. Dies hat Ursula als "Heilung" erlebt.

Intellektuelle Fairness


Diese Schilderung wurde nun von einem Kommentator so wiedergegeben, als würden hier homosexuelle Menschen abgewertet oder sogar als krank bezeichnet, und dass sie bei der Diskussion zur Frage "Ehe für alle" völlig fehl am Platz wären. Abgesehen davon, dass dabei Ursulas Aussagen unvollständig und mitunter auch falsch wiedergegeben und ihr Dinge unterstellt wurden, die sie weder gesagt noch gemeint hatte, klingen Verachtung für ihr Empfinden und für ihren persönlichen Glauben durch. Ursulas sachliche Argumente (die in einem ihrem Interview folgenden Beitrag ausführlich dargelegt worden waren) wurden hingegen völlig außer Acht gelassen. Eine Auseinandersetzung mit den Inhalten von Ursulas Position (und jenen der katholischen Glaubenslehre) fand nicht statt. An ihre Stelle trat die Herabwürdigung einer Meinung, die der des Kommentators fremd ist und die er offensichtlich schon von vorneherein nicht gelten lassen wollte.

Weder ist jemand gezwungen, sich Ursulas Ansichten oder denen der offiziellen kirchlichen Lehre anzuschließen, noch sich damit auseinanderzusetzen, aber wenn man darauf Bezug nimmt, sollte man dies mit der nötigen intellektuellen Fairness tun. Das Entstellen und "Abkanzeln" anderer Meinungen kommt einem "Mundtotmachen" gleich. Das wäre aber Diskriminierung schlechthin: wenn Katholiken das Recht abgesprochen wird, zu Fragen der Sexualität im Allgemeinen und der Homosexualität im Speziellen Stellung zu nehmen.

Dialog würde bedeuten, gegen die Argumente der katholischen Kirche (die in der Zeitung ausführlich dargelegt wurden) sachliche Gegenargumente einzubringen. Zu so einem Dialog möchte ich um des Zusammenhalts unserer Gesellschaft willen ermutigen.