Philipp Hedemann lebte von 2010 bis 2013 als Korrespondent in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Noch immer bereist er regelmäßig den Kontinent und berichtete bereits aus rund 30 Staaten Afrikas. Foto: privat
Philipp Hedemann lebte von 2010 bis 2013 als Korrespondent in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Noch immer bereist er regelmäßig den Kontinent und berichtete bereits aus rund 30 Staaten Afrikas. Foto: privat

Spitzenpolitiker beider Kontinente nehmen derzeit am fünften Gipfel der Afrikanischen und der Europäischen Union in Abidjan in der Elfenbeinküste teil. Neben dem Dauerbrenner Flucht und Migration wird dabei auch das Thema "Investitionen in die Jugend" ganz oben auf der Agenda stehen. Das ist richtig und logisch, denn Afrika ist der jüngste Kontinent der Welt. Rund 60 Prozent der Bevölkerung sind keine 25 Jahre alt. Mit europäischer Unterstützung wollen die Afrikaner jetzt dafür sorgen, dass die Jugend zum Segen und nicht zum Fluch für den Kontinent wird.

Für die Europäer sind die Themen Flucht, Migration und Jugend ohnehin nicht voneinander zu trennen. In den Flüchtlingsbooten, die jeden Tag von der libyschen Küste in Richtung Europa ablegen, drängen sich hauptsächlich junge Männer und Frauen. Doch auch Babys und Kinder sitzen und ertrinken in den überfüllten Kähnen. Die Europäer wollen den Zuzug weiterer Flüchtlinge aus Afrika begrenzen und Tragödien, wie sie sich immer noch jede Woche auf dem Mittelmeer abspielen, tunlichst verhindern. Dabei setzen sie verstärkt auf eine Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern.

Die afrikanischen Regierungschefs wissen freilich um den Druck, unter dem ihre europäischen Amtskollegen stehen - entsprechend selbstbewusst gehen sie in die Verhandlungen. Sie wissen, dass die Europäer unter dem Stichwort "Fluchtursachen bekämpfen" gewillt sind, viel Geld locker zu machen und auch mit Regierungen zu verhandeln, die bisher unter anderem wegen ihrer Menschenrechtsverletzungen nur mit spitzen Fingern angefasst wurden. Doch es griffe zu kurz und wäre nicht fair, den afrikanischen Regierungen zu unterstellen, sie würden nur die Not der Europäer ausnutzen wollen. Es geht ihnen tatsächlich auch um ihre Jugend.

Wahlen in afrikanischen Staaten werden europäischen Ansprüchen oft nicht gerecht. Das hat zuletzt wieder die Wahl in Kenia gezeigt. Nichtsdestotrotz werden auch afrikanische Politiker gewählt. Ein Großteil ihrer Wähler sind auf Grund der Demografie junge Erwachsene. Ihnen machen die Kandidaten Versprechen. Und wenn diese Versprechen eines würdigen Lebens, einer guten Ausbildung und anschließend vernünftiger Verdienstmöglichkeiten nicht gehalten werden, kann das für die Regierenden gefährlich werden. Das hat nicht nur der Arabische Frühling im Norden des Kontinents gezeigt. Zudem hindert die oft dramatische Jugendarbeitslosigkeit bei gleichzeitig alarmierendem Fachkräftemangel die wirtschaftliche Entwicklung ganzer Volkswirtschaften.