Friedbert Ottacher hat Entwicklungsprojekte unter anderem in Palästina, Albanien, Kenia, Äthiopien, Südsudan, Uganda und Mosambik verantwortet. Er ist Universitätslektor an der Technischen Universität Wien und der Donauuniversität Krems und Vorstandsmitglied von Fair Trade Österreich (www.ottacher.at). Foto: privat
Friedbert Ottacher hat Entwicklungsprojekte unter anderem in Palästina, Albanien, Kenia, Äthiopien, Südsudan, Uganda und Mosambik verantwortet. Er ist Universitätslektor an der Technischen Universität Wien und der Donauuniversität Krems und Vorstandsmitglied von Fair Trade Österreich (www.ottacher.at). Foto: privat

Jeder, der in der Entwicklungszuammenarbeit engagiert ist, möchte bei seinen Projekten Korruption ausschließen, Mehrfachfinanzierungen vermeiden und Überweisungsspesen sowie Wechselkursverluste minimieren. All das wird in Zukunft dank der bahnbrechenden Blockchain-Technologie möglich sein, die hinter der Kryptowährung Bitcoin steckt, die heuer einen unglaublichen Höhenflug hingelegt hat.

Was kompliziert klingt, ist einfach erklärt: Die Blockchain ist ein Internetprotokoll, das jede Transaktion auflistet, dezentral auf tausenden Servern gespeichert ist und von jedem Nutzer jederzeit eingesehen werden kann. Viele Experten sehen mit der Blockchain-Technologie eine neue digitale Revolution auf die Welt zukommen, denn konsequent umgesetzt lassen sich damit alle Transaktionen von Geld, Energie und Informationen ohne Zwischenhändler wie Banken global einfach und sicher handhaben.

Kryptogeld im Flüchtlingslager

In Jordanien bekamen 10.000 Syrer die Kryptowährung Ethereum aufs Handy - das Projekt war ein Erfolg. Foto: afp/Joe Klamar
In Jordanien bekamen 10.000 Syrer die Kryptowährung Ethereum aufs Handy - das Projekt war ein Erfolg. Foto: afp/Joe Klamar

Die Blockchain und ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten werden auch vor der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit nicht Halt machen. Ein erstes Pilotprojekt dazu wurde heuer in Jordanien vom World Food Programme unternommen. Dabei erhielten 10.000 syrische Flüchtlinge die Kryptowährung Ethereum auf ihr Handy geladen. Damit kauften sie ihre Lebensmittel bei Händlern, die wiederum vom World Food Programme mit herkömmlichen Dollars entschädigt wurden. Dieses Projekt war so erfolgreich, dass es 2018 landesweit ausgerollt werden soll.

Auch das Start-Network, ein internationaler Zusammenschluss von etablierten Organisationen wie Care, Brot für die Welt oder Oxfam, experimentiert bereits mit der Blockchain. Welche Vorteile erwarten sich die Hilfswerke? Das digitale Geld landet direkt beim Endverbraucher. Wechselkursverluste und Überweisungsspesen fallen komplett weg, außerdem wird der Transfer in Echtzeit getätigt und sofort am Handy des Empfängers verbucht.

Korruption wird erschwert, da das Protokoll alle Finanzflüsse in Echtzeit abbildet und nachträglich nicht mehr verändert werden kann. Digitales Geld für andere Zwecke abzuzweigen und jemandem abzupressen, wäre nicht möglich, denn die Blockchain dokumentiert alles. Die Transparenz der Blockchain würde auch Mehrfachförderungen und Doppelgleisigkeiten reduzieren.

Konsequent zu Ende gedacht hat der Einsatz von Blockchain und Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum in der Entwicklungszusammenarbeit noch eine ganz andere Auswirkung: Sie ermöglicht es den Spendern, ihre Spende nahtlos bis zum Endbegünstigten zu verfolgen. Damit wäre erstmals eine direkte Verbindung zwischen Spender und Empfänger möglich, ohne einen Projektträger dazwischenschalten zu müssen.

Ist das eine Existenzbedrohung für die Hilfswerke? Ich denke: Nein. Denn die Überweisung der Fördermittel ist das eine; ein gutes Projekt zu planen und umzusetzen, ist das andere. Aber eines ist klar: Diese Technologie ist wirkmächtig - und richtig eingesetzt ein Instrument, dass die Entwicklungszusammenarbeit und die humanitäre Hilfe deutlich effizienter und transparenter machen kann. Zum Vorteil der Hilfsempfänger, der Spender und der Hilfswerke.