Europas Kulturhauptstädte 2018: Valetta . . . Foto: Reuters/Darrin Zammit Lupi
Europas Kulturhauptstädte 2018: Valetta . . . Foto: Reuters/Darrin Zammit Lupi

2018 wird noch einmal des Ersten Weltkrieges gedacht werden, vor 100 Jahren ging er zu Ende. Heute scheint nicht zuletzt dank der Europäischen Integration Krieg aus dem größten Teil Europas erfolgreich verbannt worden zu sein, Krieg findet nur noch an der Peripherie Europas - Ukraine/Russland, Naher Osten, Nordafrika - statt. Doch Krieg hat Europas Geschichte beinahe ununterbrochen von den Anfängen bis 1945 bestimmt. Trotz der unendlich vielen Kriege entwickelte sich eine blühende Kultur namens Europa, sie überdauerte alle Kriege, sie war stark genug, die Ost-West-Teilung zu überstehen, und sie trägt bis heute die Idee der Europäischen Einheit.

Obwohl Kultur in der Geschichte Europas das ist, was am ehesten Gemeinsamkeit ausmachte und sich als das Beständigste über die stürmischen Zeitläufe hinweg erwies, spielte sie für die europäischen Institutionen nach 1945 zunächst nur eine marginale Rolle. Selbst im geltenden EU-Vertrag von Lissabon aus dem Jahr 2007 zählt sie nur zu den Randgebieten der Gemeinschaftsaufgaben. Gleichwohl wirkt sich die Zusammenarbeit in der EU natürlich generell auf die Entwicklung der europäischen Kultur aus. Zudem hat die EU mit dem Programm "Kulturhauptstadt Europas" ein Instrument geschaffen, dem starkes mediales Interesse entgegengebracht wird und das viele Touristen in diese Städte lockt. Dabei geht es sowohl um das historische Kulturerbe wie aktuelle kulturelle Experimente und Darbietungen, also um geerbte wie gelebte Kultur.

Geerbte Kultur ist gelebte Kultur

. . . und Leeuwarden in den Niederlanden. Foto: CC/C. Messier
. . . und Leeuwarden in den Niederlanden. Foto: CC/C. Messier

Natürlich ist auch die geerbte Kultur eine gelebte Kultur, indem Kulturdenkmäler erhalten und gepflegt, besucht und in kulturelle Veranstaltungen einbezogen werden. Kaum etwas macht die Einheit Europas so sinnfällig wie das gepflegte kulturelle Erbe. Wer vor 1989 in Ostmitteleuropa (dem einstigen "Ostblock") unterwegs war und die damalige Situation mit der heutigen vergleicht, wird das sicher sofort bestätigen. Das Kulturerbe zieht Menschen an, es stellt einen wichtigen Grund dar, in Europa unterwegs zu sein.

Mit dem "Europäischen Kulturerbejahr 2018" macht die Europäische Union einen wichtigen Schritt. Es rückt die Geschichte von Europas Kultur und das materielle wie immaterielle Kulturerbe in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Das Bewusstsein, aber auch die Tatsächlichkeit europäischer Einheit beruht in erster Linie auf der gemeinsamen Kultur, die, das sei wiederholt, die härtesten ideologischen Gegensätze und blutigsten sowie vernichtendsten Konflikte überdauert hat.