Die digitale Währung Bitcoin hat im vergangenen Jahr ein fulminantes Kursfeuerwerk hingelegt und wurde landauf, landab in Medien und an Stammtischen diskutiert. Spätestens zu Jahresbeginn 2018 stellt sich für spendensammelnde Organisationen die Frage, ob sie Bitcoin-Spenden annehmen oder sogar gezielt Bitcoins einwerben sollen.

Bei österreichischen Hilfswerken herrscht darüber eine gewisse Ratlosigkeit: Es gibt eine Menge an offenen Fragen und ethischen Bedenken - schließlich will man durch die Annahme von Bitcoins keine traditionellen Spender vergrämen. Die rechtliche Situation dagegen scheint klar: Bitcoin ist keine anerkannte Währung und daher keine Geldspende, die von der Steuer abgesetzt werden kann. Vielmehr gilt Bitcoin als Sachspende - wie ein Gemälde oder ein Schmuckstück.

In Österreich gilt "Jugend Eine Welt", ein internationales Hilfswerk, das sich unter dem Motto "Bildung überwindet Armut" weltweit für benachteiligte Kinder und Jugendliche einsetzt, als Pionier im Bitcoin-Fundraising.

Erste Bitcoin-Spenden im Herbst 2015


Die erste Initiative dazu wurde bereits im Herbst 2015, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, gesetzt: Gemeinsam mit dem Grazer Unternehmen Coinfinity, das in Österreich Bitcoins online und über Automaten vertreibt, wurde ein Spendenaufruf gestartet, um Flüchtlinge zu unterstützen. Auf das digitale Spendenkonto wurden damals 1,84 Bitcoins überwiesen. Das entsprach umgerechnet 600 Euro - heute ist dieser Betrag rund 22.000 Euro wert.

Und damit sind wir bei der Relevanz: Der Wertzuwachs der Bitcoins und die gleichzeitige Etablierung als riskantes, aber innovatives Investment hat ein neues, wohlhabendes und technikaffines Spenderklientel entstehen lassen, das nicht über die gängigen Fundraisingkanäle wie Spendenaufrufe oder Zahlscheinbeilagen erreicht werden kann.

Bitcoin-Besitzer spenden vornehmlich an Organisationen, die sichere Hardware-Wallets verwenden und sich professionell im Umgang mit digitalen Währungen präsentieren - so verwundert auch nicht, dass die Online-Enzyklopädie Wikipedia und das Aufdeckerportal Wikileaks bisher zu den größten Empfängern gehören.

Gegen Ende des Jahres 2017 führten hohe Kurssteigerungen zu vielen neuen Usern und zu einer bisher noch nicht dagewesenen Überlastung der Netzwerke. In der Folge vervielfachten sich die Transaktionskosten - so schlug sich eine Bitcoin-Überweisung egal welcher Höhe mit bis zu 25 Euro zu Buche, was viele Kleinspender abschreckte. Es ist aber davon auszugehen, dass sich Bitcoin im Laufe der nächsten Jahre mit der Einführung des "Lightning Network" technologisch weiterentwickelt und die aktuellen Probleme wie der hohe Energieverbrauch und die gestiegenen Transaktionskosten der Vergangenheit angehören werden. Auch andere relevante Kryptowährungen wie Ethereum arbeiten an Lösungen zum Skalierungsproblem.

86 Millionen Dollar schwerer neuer Bitcoin-Fonds


Der Boom der digitalen Währungen hat denjenigen, die sich schon früh damit beschäftigt und investiert haben, viel Geld eingebracht. Manche davon möchten einen Teil davon zurückzugeben - wie das Beispiel des Pineapple Funds zeigt: Dieser wurde von einem anonymen Bitcoin-Besitzer vergangenen Dezember ins Leben gerufen und mit 5000 Bitcoins (86 Millionen US-Dollar) dotiert - und ist jetzt auf der Suche nach förderungswürdigen Projekten.

Kryptowährungen sind nach wie vor volatil und riskant, aber mittlerweile ob ihrer schieren Größe vom Finanzmarkt nicht mehr wegzudenken - so beträgt die Bitcoin-Kapitalisierung heute bereits 215 Milliarden Euro, und die zweitgrößte Kryptowährung Ripple liegt bei 110 Milliarden Euro. Das entspricht zusammen dem jährlichen österreichischen Bruttoinlandsprodukt.

Digitale Währungen werden zunehmend reguliert, aber dank dessen auch aus der Schmuddelecke (Stichwort: Darknet) geholt. Sie werden nicht verschwinden, sondern ein fixer Bestandteil des globalen Finanzmarktes werden - und somit ein beständiger Seitenarm des Spendenflusses.