Wenn Ministerin Kneissl behauptet, dass die einzigen erfolgreichen Sanktionen diejenigen gegen Südafrika gewesen seien, dann steht dies im Widerspruch zu dem gesammelten Fachwissen, welches zu gezielten internationalen Sanktionen vorliegt.

1. Sanktionen mit der Absicht einer Erzwingung waren erfolgreich in den Fällen Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire), Nordkorea und Somalia.

2. Sanktionen mit der Absicht einer Einschränkung waren erfolgreich in den Fällen Angola, Nordkorea, Haiti, Liberia, Libyen und Somalia.

3. Sanktionen mit der Absicht einer Signalisierung waren erfolgreich in den Fällen Angola, Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire), Nordkorea, Haiti, Liberia, Libyen, Sierra Leone und Somalia.

Eine Analyse erfolgreicher (und erfolgloser) Fälle der Einführung von Sanktionen in der Geschichte zeigt, dass in keinem Fall gezielter internationaler Sanktionen jemals Erfolge erzielt wurden, wenn nicht mindestens drei (Unter)arten von Sanktionen eingeführt wurden. Die Kombination, mit der üblicherweise Erfolge erzielt werden, besteht aus Waffenembargo, Einreiseverboten und der Sperrung von Vermögenswerten.

Natürlich kennt die Geschichte auch Beispiele erfolgloser Sanktionen – aber diese scheiterten vor allem an einer unglücklichen Kombination von (Unter)arten der eingeführten Sanktionen.

Haben sich nun die Sanktionen gegen Russland als so erfolglos erwiesen, wie Ministerin Kneissl behauptet? Man kann diese Frage nur beantworten, wenn man die Effektivität der Sanktionen mit den drei obengenannten Absichten abgleicht. Es sieht danach aus, dass der größte Erfolg der Sanktionen darin bestand, Russland zu signalisieren, dass die Annexion der Krim und die Invasion im Osten der Ukraine falsch waren: keine bedeutende internationale Organisation, einschließlich der Vereinten Nationen, hat die Annexion der Krim legitimiert, oder die russische Invasion gerechtfertigt. Was Erzwingung angeht, so lässt sich ebenfalls von einem Erfolg sprechen: die Sanktionen – einschließlich der militärischen, nicht-tödlichen Hilfe für die Ukraine, haben Russland davon abgehalten, die gesamte Ost- und Südukraine zu erobern, wie es auf Grund des sogenannten "Neurussland"-Projektes erwartet wurde. Es lässt sich hingegen immer noch schwer einschätzen, ob die Sanktionen Russland eingeschränkt haben, indem sie den Zugang zu Ressourcen beschränkten, welche für die geächteten Aktivitäten – Annexion und Invasion – nötig sind.

Im Großen und Ganzen scheint es irreführend, zu behaupten, dass die Sanktionen gegen Russland erfolglos geblieben seien. Ohne Zweifel lässt sich davon sprechen, dass die russlandbezogenen Sanktionen von unterschiedlichem Erfolg gekrönt waren, was die drei genannten Absichten angeht – man könnte daher überlegen, die Kombination der eingeführten Sanktions(unter)arten anzupassen - im Zusammenspiel mit weiteren politischen und diplomatischen Aktivitäten. Jedenfalls lässt sich daraus nicht der Schluss ziehen, dass die Sanktionen aufgehoben werden müssten. Die Geschichte gezielter internationaler Sanktionen kennt keinen einzigen Fall, in dem ein Ziel eine geächtete Aktivität einfach aus Liebenswürdigkeit eingestellt hätte.