Europa braucht Geld für einen EU-Außenschutz; ein wenig gegen IS-Terroristen, mehr gegen Flüchtlinge. Österreich bastelt an einer raschen Eingreiftruppe. Neue Flüchtlingslager am Stadtrand werden zu Rekrutierungscamps für Radikalisierung. Das Bundesheer braucht neue Kampfflieger, für Flugshows, aber auch für Kontrollflüge. Die Polizei muss verstärkt werden. Schön, dass unsere Schulen, Kindergärten und Universitäten schon genug Geld haben, unnötige Kasernen schon verkauft und die Steuern schon gesenkt sind.

Jede Abwehrstrategie ist populär und leicht begreiflich - aber auch teuer. Weil zuerst die Zäune gebaut werden und später dann die negativen Folgen auftreten: längere Grenzwartezeiten, stärkere Kontrollen auch im Inland, Inflation und Verluste von Jobs durch verringerte internationale Arbeitsteilung. Exporterfolge und Erfolgsgeschichten wie die Ostöffnung werden zurückgenommen.

Migranten vor Ort ausbilden


Aktivstrategien sind langfristig billiger. Investitionen in Nachbarländer sind Arbeitsplätze von morgen. Europas Nachbarn wachsen um 5 bis 10 Prozent pro Jahr, wenn sie nicht durch Kriege und Diktaturen daran gehindert werden. Europa, der UNO und auch Österreich ist es in der Vergangenheit gelungen, Konflikte zu entschärfen; am Balkan mit erstaunlichem Erfolg; in Zypern war der Erfolg zum Greifen nahe; in der Ukraine haben wir zu wenig vermittelt. Es ist auch schwierig, weil immer irgendjemand zu destabilisieren versucht: US-Präsident Donald Trump in Palästina, Russlands Präsident Wladimir Putin am Balkan, Rechtspopulisten in Griechenland oder Bosnien-Herzegowina.

Die Ostöffnung im Jahr 1989 (hier in Berlin) könnte ein Denkanstoß für die heutige Politik sein. - © dpa
Die Ostöffnung im Jahr 1989 (hier in Berlin) könnte ein Denkanstoß für die heutige Politik sein. - © dpa

Europa braucht Fachkräfte. Es gibt sie jedenfalls in Kroatien, teilweise in Griechenland. Aber sie dürfen nicht oder wollen nicht zu uns kommen. Und dann gibt es Migranten, die in ihrer Heimat erstaunliche Leistungen erbracht haben, bevor sie weggebombt wurden oder ihr Land durch Dürre verloren haben. Ihre Qualifikationen sind oft nicht dokumentiert. Sie wollen arbeiten oder selbständig werden. Ihre Kinder wollen bei uns die Lehre machen. Sie werden zurückgeschickt wie nicht bestellte Waren.

Zusätzlich könnte Europa profitieren, wenn es die Ausbildung in den Herkunftsländern verbesserte und dort unter UN-Schutze Sonderzonen förderte, in denen gearbeitet, gelernt und höher qualifiziert würde. Entweder blieben potenzielle Migranten dann in der Nähe ihrer Heimat, oder sie kämen höher qualifiziert und mit besserem Verständnis für europäische Sprachen und Werte.

Das ist nicht gratis für Europa, aber billiger, weil Investitionen die Wirtschaft tendenziell beleben und Friktionskosten senken. Zäune und Grenzkontrollen verringern den Warenfluss und schränken die Reisefreiheit ein. Investitionen sind zunächst ein Umweg, wenn sie in Bildung fließen auch ein längerer. Aber sie bringen höheren Ertrag.