Michael Gehler ist Gründungsdirektor des Instituts für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (2013 bis 2017) und seit 2006 Jean-Monnet-Professor für vergleichende europäische Zeitgeschichte an der Universität Hildesheim. Foto: privat
Michael Gehler ist Gründungsdirektor des Instituts für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (2013 bis 2017) und seit 2006 Jean-Monnet-Professor für vergleichende europäische Zeitgeschichte an der Universität Hildesheim. Foto: privat

Am 5. März 1953 atmete die Welt auf, doch es gab auch Menschen, die seinen Tod betrauerten und an seinem Sarg weinten. Er wurde 1878 als Sohn eines verarmten und trunksüchtigen Schumachers in Gori in der rückständigen Provinz Georgien geboren. Der begabte, hochmütige und verschlossene Knabe besuchte eine Klosterschule, studierte in einem Priesterseminar von Tiflis revolutionäre Schriften und schrieb Gedichte auf Georgisch. Er revoltierte gegen die Autoritäten in Schule und Staat. Als Organisator umstürzlerischer Aktionen und Propagandist des Sozialismus fiel er auf. Von einem revolutionären Anarchisten und Verschwörer avancierte er neben Mao Zedong und Adolf Hitler zu einem der mächtigsten Diktatoren des 20. Jahrhunderts.

Die Rede ist von Jussif Wissarionowitsch Dschugaschwili, der seit 1912 den Kampfnamen Stalin trug, was so viel wie "Der Stählerne" bedeuten sollte. Banküberfälle und Diebstähle führten zu Verhaftung und Gefängnis. Vier Jahre war er im Exil in Sibirien.

Stalins Aufstieg und die Beseitigung Trotzkis


Als Berufsrevolutionär gewann er an Einfluss in der bolschewistischen Partei. Nach dem Revolutionsjahr 1917, in dem er unauffällig blieb, und dem Oktober-Putsch übertrug sie ihm das Amt eines Volkskommissars für Nationalitätenfragen in Russland, das ihn prägen sollte. In der Gefolgschaft Lenins gelang ihm der Aufstieg an die Spitze der Bolschewiki. Als zwei Jahre vor dem Tod Lenins die Gründung der UdSSR 1922 erfolgte, gelangte Stalin als Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU in das innerste Zentrum der Macht.

Stalin wird bis heute von vielen Russen verehrt. Foto: afp/Max Vetrov
Stalin wird bis heute von vielen Russen verehrt. Foto: afp/Max Vetrov

Lenin warnte vor ihm und sollte recht behalten. Es folgte das Programm des "Sozialismus in einem Lande", das im Gegensatz zur These von der "permanenten (Welt-)Revolution" seines Widersachers Leon Trotzki stand. Dieser war der legendäre Organisator der Roten Armee, die gegen den Westen und seine Interventionskriege in Russland (1918 bis 1920) siegreich geblieben war. Stalin verstand Trotzki jedoch politisch auszuschalten und ins Exil zu treiben. Dort wurde er 1940 auf Geheiß Stalins vom Sowjet-Agenten Ramón Mercader mit einem Eispickel erschlagen. In den 1930er Jahren konnte Stalin seine Macht auf Kosten kollektiver Entscheidungen in Russland festigen. Unter Zuhilfenahme höchst loyaler Bündnisgenossen entmachtete er Rivalen, um dann seine Verbündeten zu beseitigen.

Angst und Schrecken in der Terrorherschaft


Im Zeichen des "Großen Terrors" konsolidierte er sein stalinistisches Herrschaftssystem. Es gab kein Politbüro-Mitglied mehr, das nicht jemanden aus seinem Freundes-, Mitarbeiter- oder Verwandtschaftskreis verlor. Alle lebten in ständiger Furcht vor möglicher Anschuldigung und Bedrohung. Stalins Beschlüsse konnten jetzt immer einstimmig gefasst werden.