Die gezielte Kollektivierung der Landwirtschaft mit der systematischen Ermordung der Großbauern ("Kulaken"), die forcierte Industrialisierung durch Zwangsarbeit, der massenhafte Hungertod der Ukrainer ("Holodomor"), die Liquidierung früherer Kampfgenossen wie Nikolai Bucharin, Genrich Jagoda, Nikolai Jeschow, Sergei Kirow, Karl Radek oder Grigori Sinowjew, die Schauprozesse und Säuberungen ("Tschistka"), der mit dem deutschen Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop geschlossene Nichtangriffspakt - in Wahrheit eine Angriffsvereinbarung mit Hitler zur Aufteilung und Zerschlagung Polens - und der "Große Vaterländische Krieg" gegen Nazi-Deutschland kennzeichneten bis dato die Stationen der Politik Stalins.

Westliche Hilfe für den siegreichen Krieger


Allein der Angriffskrieg Hitlers gegen die Sowjetunion gefährdete für die Jahre 1941 bis 1943 Stalins Machtstellung. Dank unter anderem der logistischen und materiellen Unterstützung durch die USA ging der Generalismus siegreich aus dem Zweiten Weltkrieg hervor. Stalins Triumph auf den Alliierten-Konferenzen der "Großen Drei" in Jalta und Potsdam mit Winston Churchill und Franklin D. Roosevelt beziehungsweise Harry S. Truman sowie ein unermesslicher Kult um seine Person sind Kennzeichen seiner atemberaubenden politischen Karriere.

Der Sieg über den "Hitler-Faschismus" steigerte Stalins Stellung, die bereits zuvor übermenschliche Dimensionen erreicht hatte, ins Unermessliche. Sowjet-Experten wie Wolfgang Mueller wissen, dass von 1946 bis zu Stalins Ableben zwei ordentliche Versammlungen des Politbüros stattfanden. Die Sowjetunion bis 1953 kannte laut Mueller nur noch "einen Herrn und Meister".

Die Folgen des Stalinismus für Deutschland und Österreich


Mit dem "Eisernen Vorhang" schottete Stalin nach 1945 den Osten gegenüber dem Westen ab. Er führte weitere Schauprozesse gegen Juden, "Titoisten", "Trotzkisten", "Saboteure", "Vaterlandsverräter" und "Zionisten" durch. Mit den USA ließ er sich auf einen gigantischen Rüstungswettlauf ein, den seine Nachfolger fortsetzten und damit den Untergang des Imperiums mitverursachten.

Das Unabhängigkeits- und Souveränitätsstreben nicht-sowjetischer Nationalitäten bekämpfte Stalin mit Bevölkerungstransfers und Zwangsumsiedlungen. Die Nachkriegsgrenzen Osteuropas sind die seinen, was im Haus der europäischen Geschichte in Brüssel deutlich wird. Im Unterschied zu den Sowjet-Republiken sollten die mitteleuropäischen Länder "Volksdemokratien" werden. Der Flucht und Vertreibung der Deutschen, Polen, Ukrainer und Ungarn ließ er freien Lauf.

War er während des Kriegs noch für eine Zerstückelung Deutschlands, so fürchtete er seinen Nationalismus nach 1945 und befürwortete daher ein geeintes Deutschland - allerdings nur unter seinen Bedingungen (allianzfrei, nicht anti-sowjetisch und "volksdemokratisch"). Österreich sollte davon unabhängig sein, quasi ein Abfallprodukt der deutschen Frage, die Priorität für Stalin besaß.

Die unermesslichen Opferzahlen seiner dreißigjährigen Diktatur stehen auf einem ganz anderen Blatt der Weltgeschichte: Die Gesamtzahl ist nicht exakt bezifferbar und bewegt sich in mehrfacher, ja bis zu zweistelliger Millionenhöhe. Seine Opfer starben durch Deportation, Exekution, Internierung oder Zwangsarbeit im Gulag sowie als Kriegsgefangene.