Eva Maria Bachinger ist freie Journalistin und Autorin (Buchtipp: "Kind auf Bestellung. Plädoyer für klare Grenzen", Deuticke Verlag 2015). - © privat
Eva Maria Bachinger ist freie Journalistin und Autorin (Buchtipp: "Kind auf Bestellung. Plädoyer für klare Grenzen", Deuticke Verlag 2015). - © privat

"Wenn ein Paar mit einer Frau eine Leihmutterschaft ausmacht, wer bin ich, um dagegen zu sein?", sagt eine Psychologin, die Kinderwunschpaare berät. Verbote würden die Kommerzialisierung nicht ändern. Und wer habe das Recht, dem Familienglück im Wege zu stehen?

Eine Leihmutter ist in der Regel nicht die genetische Mutter des Kindes. Sie soll den Embryo der Wunscheltern austragen, der mit einer Spendereizelle im Zuge einer künstlichen Befruchtung erzeugt worden ist. Das ist juristisch kompliziert und in vielen Staaten - noch - verboten, auch in Österreich. Umgangen wird jedoch das Verbot von Paaren, die im Ausland eine Leihmutter engagieren und das Kind dann nach Österreich bringen. EU-Staaten wie Tschechien, Ungarn oder Rumänien haben keine speziellen Gesetze, was vieles im Graubereich ermöglicht.

Spermieninjektion in eine Eizelle. - © dpa/Ralf Hirschberger
Spermieninjektion in eine Eizelle. - © dpa/Ralf Hirschberger

Recherchen ergeben den Eindruck: Private, rein selbstlose Vereinbarungen ohne Geldflüsse sind Einzelfälle. Überwiegend geht es um nüchterne Geschäftsbeziehungen zwischen wohlhabenden Wunscheltern und weniger wohlhabenden Leihmüttern. Und selbst die in Großbritannien und Griechenland erlaubte "altruistische Leihmutterschaft" sieht gesetzlich eine "angemessene Aufwandsentschädigung" vor. Das können in Großbritannien bis zu 18.000 Euro sein. Wenn man buchstäblich mit einem Bündel Geld vor der Nase von Frauen wedelt, die sich Sorgen machen müssen, wie sie Essen und Schule für ihre Kinder zahlen sollen, ist es zynisch, hier von "Selbstlosigkeit" zu sprechen.

Der Frauenkörper wird durch und durch kommerzialisiert

Nun kommt es zu "Engpässen" in den wohlhabenden Ländern, da es dort nicht so viele "selbstlose" Leihmütter gibt. Wir sind als Konsumenten gewohnt, stets das billigste Angebot zu suchen. Und das findet man in ärmeren Ländern. In den USA kostet ein Verfahren mehr als 100.000 Euro, in Russland ist ein All-inclusive-Paket für 60.000 Euro zu haben, in Mexiko oder Indien für rund 30.000 Euro. Dass mit liberaler Gesetzgebung der "Reproduktionstourismus" eingedämmt werde, wie oft behauptet wird, ist daher unrichtig. Der Frauenkörper wird durch und durch kommerzialisiert. Schwangerschaft wird zur "Reproduktionsarbeit" und zur "Dienstleistung". Das "Produkt" dieser "Arbeit" ist das Kind.

Ein fremdes Kind auszutragen, stellt für die gebärende Frau einen tiefgreifenden Eingriff dar, sowohl medizinisch als auch psychologisch. Offenbar weil die künstliche Befruchtung mit völlig körperfremden Keimbahnzellen durchgeführt wird, müssen die Frauen gehäuft Fehlgeburten verkraften. Sie müssen das "Fremde" in sich annehmen, gleichzeitig sollen sie aber auf Distanz zum Kind bleiben. Werte, die uns sonst wichtig sind, wie der Beziehungsaufbau zwischen Mutter und Ungeborenem, werden außer Kraft gesetzt.