Von Gerhard Schröder bis Madonna: Die deutsche Samstagabend-Show "Wetten, dass . . ?" verzeichnete mit ihren Stargästen in den 1980er und 1990er Jahren hohes Publikumsinteresse. Mehr als 20 Millionen Zuseher verfolgten die spannende Show, schlagfertig moderiert von Thomas Gottschalk. Er brachte Prominente aus Kultur, Unterhaltung, Sport und Wirtschaft auf seine Wett-Couch, und im deutschsprachigen Raum wurden sowohl die Gäste als auch die Wetten medial ausgiebig diskutiert und analysiert. Das Wetten übt schließlich auf Menschen einen besonderen Reiz aus, wobei Wetten nicht auf Glück oder Zufall basieren, sondern oft auf persönlicher Einschätzung oder auch auf Fachkenntnis.

Sportübertragung als absurdes Kriterium für Wettlokal

Gerti Schmidt ist Obfrau der Fachgruppe Freizeit-und Sportbetriebe der Wirtschaftskammer Wien. - © www.sticklerfotografie.at
Gerti Schmidt ist Obfrau der Fachgruppe Freizeit-und Sportbetriebe der Wirtschaftskammer Wien. - © www.sticklerfotografie.at

Diesen Freitag beschließt nun der Wiener Landtag ein, wie es heißt, verschärftes Wiener Wettengesetz. Diese Verschärfung soll zu einem erhöhten Schutz vor Spielsucht und vor allem zu einem besseren Jugendschutz führen. Wenn man sich das Gesetz jedoch näher ansieht, fallen die unklaren Formulierungen und vor allem die prohibitiven Bestimmungen auf, die die Branche nicht nur in Misskredit bringen, sondern sie regelrecht an die Wand fahren.

Konkret betrifft es vor allem Sportwetten. Diese sind vor allem Einschätzungen, wie Spiele oder Wettkämpfe in diversen Sportarten ausgehen werden. Heuer sind natürlich besonders die Fußballwettprofis gefragt, da im Sommer die Fußballweltmeisterschaft in Russland stattfinden wird. Wenn nun künftig, wie es im Gesetz heißt, bereits aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes eines Lokals, das eine Sportveranstaltung überträgt, dieses als Wettlokal gilt und eine Bewilligung benötigt, dann betrachten wir diese Bestimmung nicht als Verschärfung, sondern schlicht und ergreifend als Behinderung.

Was ist nun das Erscheinungsbild eines Wettlokals? Betrifft es das Erscheinungsbild, wenn zum Beispiel in der Auslage oder im Lokal ein Monitor mit einem Sportereignis läuft? Gerade bei Rechtsbestimmungen gilt der Grundsatz, dass der wahre wirtschaftliche Gehalt einer Tätigkeit zu prüfen und keinesfalls deren bloßes äußeres Erscheinungsbild maßgebend ist. Das bloße Übertragen von Sportereignissen zu einem Wettunternehmen zu machen, wie im Gesetzesentwurf vorgesehen, ist absurd und ein schwerwiegender Eingriff in das Veranstaltungsrecht; letztlich würde so nämlich auch jede Public-Viewing-Zone zu einem Wettbereich. Die Rechtsfolgen wären unabsehbar, würden jegliche behördliche Willkür ermöglichen und geradezu ins Absurde führen.