Bulat Khaydarov ist Presseattaché der russischen Botschaft in Österreich.
Bulat Khaydarov ist Presseattaché der russischen Botschaft in Österreich.

Im Zusammenhang mit dem Gastkommentar des britischen Botschafters in der "Wiener Zeitung" vom 22. März zum Fall Sergej Skripal ist es notwendig, Folgendes zu erörtern: Botschafter Leigh Turner brachte viele Emotionen und überhaupt keine Fakten. Als einziger Beweis der angeblichen Schuld Russlands sollte die Behauptung dienen, nur Russland habe eine "Historie der Produktion" des Nervengases, das von Großbritannien als "Novichok" bezeichnet wird. Aber das ist nicht wahr. Die britische Klassifikation für die Giftart, die, wie London behauptet, bei einem Anschlag auf den in Russland begnadigten Doppelagenten Skripal und seine Tochter verwendet wurde, lautet "A-234". Und "Novichok" ist eigentlich ein allgemeiner Deckname für Waffenprogramme, an denen unter anderem im Vereinigten Königreich gearbeitet wurde. Die Ergebnisse, die dabei erreicht wurden, sind aus mehr als 200 offenen Quellen der Nato-Länder zu entnehmen.

Auch Turners zweite Behauptung, der Kreml habe Fragen der britischen Regierung über die Herkunft des Gases ignoriert, entspricht nicht der Wahrheit. Moskau hat von Anfang an Proben des Gases angefragt und London angeboten, dass russische Chemiker sich an den laufenden Untersuchungen beteiligen. Die Vorgehensweise, die Russland vorgeschlagen hat, entspricht den Regeln, die in der internationalen Chemiewaffenkonvention festgelegt sind. Aber russischen Spezialisten wurde der Zugang zu Gasproben verweigert. Warum, Herr Botschafter? Wie sollte man die Frage über die Herkunft des Gases beantworten, wenn keine Proben vorliegen?

Und es tauchen immer mehr Fragen auf, die London als Beschuldiger beantworten sollte. Wie korrelieren die bereits ausgesprochenen Beschuldigungen mit den offiziellen Erklärungen von Scotland Yard, dass für entsprechende Schlussfolgerungen "Wochen oder sogar Monate nötig wären"? Aufgrund welcher Angaben wurde so schnell beschlossen, Herrn und Frau Skripal sowie einem britischen Polizisten Gegengifte zu verabreichen? Welche Gegengifte waren das? Aufgrund welcher Analysen wurde beschlossen, ausgerechnet diese Stoffe einzusetzen? Wie lässt sich die verlangsamte Wirkung des nervenschädigenden Stoffs erklären, wenn man bedenkt, dass er normalerweise sofort wirkt?

Es ist zu begrüßen, dass Herr Botschafter Turner sich an den Beitrag Russlands im Kampf gegen das NS-Regime erinnert und die russische Kultur schätzt, aber er sollte nicht von der Substanz ablenken, sondern diese und viele andere Fragen beantworten, bevor er jemandem (nach Anweisung seiner Vorgesetzten) die Schuld zuweist.

Russland ist wie kein anderes Land daran interessiert, den Fall Skripal in einem transparenten und öffentlichen internationalen Verfahren unter Beteiligung der Organisation für das Verbot chemischer Waffen zu untersuchen.

Was die von Herrn Turner ausgesprochenen Befürchtungen angeht, dass das nächste Mal "Gräueltaten auf österreichischem Boden" passieren könnten, so ist dieser reine Populismus nach den Russia-Shut-up-Aussagen des britischen Verteidigungsministers keine Überraschung. Bad Style.