Ulrike Alker leitet die Abteilung Gender & Diversity Management an der FH Campus Wien. - © Ludwig Schedl
Ulrike Alker leitet die Abteilung Gender & Diversity Management an der FH Campus Wien. - © Ludwig Schedl

Soll die Fachhochschule ein Ort für Konflikte sein? Sicher nicht, wenn es um das Wohlergehen der Studierenden geht. Aber immer dann, wenn über politische Inhalte wissenschaftlich diskutiert wird. Solange Gesellschaftspolitik unterschiedliche Auswirkungen auf unterschiedliche Gruppen hat, sind Konflikte programmiert. Diese müssen kontroversiell diskutiert werden. Ebenso wie die Möglichkeiten, trotz unterschiedlicher Standpunkte da und dort vertretbare Lösungen zu finden.

Der Umgang mit konfliktträchtigen gesellschaftspolitischen Themen ist eine zentrale Aufgabe der Abteilung Gender & Diversity Management an der FH Campus Wien. Strukturell ist das an der FH auf mehreren Ebenen verankert: Inhaltlich in den Studienplänen vieler Studienangebote. Immer abgestimmt auf die Kerninhalte der Studien. Also zum Beispiel Diversity Management als Führungskompetenz im Technikbereich oder Genderaspekte im berufspraktischen Kontext im Public Sector. In den Gesundheitswissenschaften und den Pflegewissenschaften sowie im Department Soziales orientieren sich die Lehrinhalte an den Zielgruppen der Berufsfelder, die vielfältig und herausfordernd sein können, wie zum Beispiel in der Sozialen Arbeit, in den Spitälern etc. Darum ist Gender- und Diversity-Kompetenz eine Voraussetzung für Lehrende an der FH. Schulungen dazu werden deshalb in regelmäßigen Abständen durchgeführt.

Vor der FH Campus Wien weht die Regenbogenfahne (im Bild Vizerektor Heimo Sandtner, Rektorin Barbara Bittner, Wilhelm Behensky, Vorsitzender der Geschäftsleitung, Ulrike Alker, Abteilung Gender & Diversity, Roswitha Engel, Departmentleiterin für Pflegewissenschaft undStudiengangsleiterin für Gesundheits- und Krankenpflege sowie Geschäftsführer Horst Rode).   
 - © FH Campus Wien
Vor der FH Campus Wien weht die Regenbogenfahne (im Bild Vizerektor Heimo Sandtner, Rektorin Barbara Bittner, Wilhelm Behensky, Vorsitzender der Geschäftsleitung, Ulrike Alker, Abteilung Gender & Diversity, Roswitha Engel, Departmentleiterin für Pflegewissenschaft undStudiengangsleiterin für Gesundheits- und Krankenpflege sowie Geschäftsführer Horst Rode).
 

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Bewusstseinsbildung für den späteren Beruf

Die FH Campus Wien ist diesbezüglich breit aufgestellt. Die Studierenden werden deshalb im Studium mit zahlreichen gesellschaftspolitisch konfliktträchtigen Situationen vertraut gemacht. Sie werden bei der Erarbeitung von Lösungsmöglichkeiten immer durch die Lehrenden unterstützt. Dabei geht es sehr stark um Bewusstseinsbildung. Um geschärfte Wahrnehmung. Um das Bekenntnis zu gesellschaftspolitischer Verantwortung. Um eine gute Vorbereitung darauf, was sie in den nachgelagerten Berufsfeldern - und nicht nur dort - erwartet.

Auch im Arbeitsleben der FH sind Gender- und Diversitygrundsätze tägliche Praxis: Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern bergen ein hohes Konfliktpotenzial. Um ihnen zu begegnen, wurde an der FH Campus Wien ein diskriminierungsfreies, gleichstellungsorientiertes Gehaltsschema entwickelt, das sicherstellt, dass der Equal Pay Gap hier nicht besteht.

Ein Beispiel, wie Konflikte schon im Vorfeld vermieden werden können, ist auch der Code of Conduct, der Verhaltenskodex, zu dem sich die FH bekennt. Dieser soll bewusstseinsbildend in Bezug auf Werthaltungen und politische Verantwortung wirken. Der dort niedergeschriebene respektvolle und wertschätzende Umgang macht es leichter, Auffassungsunterschiede sachlich auszutragen.

Kooperationen im Sinne der Diversity - eine Hochschule für alle

Schließlich wirken sich auch Kooperationen mit externen Partnerinnen und Partnern immer positiv aus: So wurde zum Beispiel im Technikbereich durch eine Kooperation mit dem AMS ein wichtiges Konfliktfeld erfolgreich bearbeitet. Der Frauenanteil in den an dem Projekt teilnehmenden Studiengängen konnte nachhaltig erhöht werden. Mehr Studentinnen in technischen Studiengängen werden zu mehr Lehrenden und Forschenden in diesen Bereichen und erzeugen dadurch als Rollenvorbilder für zukünftige Generationen starke Nachhaltigkeit.

Schließlich sollen von uns auch Konflikte, die aus bewussten oder unbewussten Ein- und Ausschlussmechanismen resultieren, an der FH deutlich gemacht und bearbeitet werden. Es ist der FH Campus Wien ein Anliegen, Barrierefreiheit uneingeschränkt umzusetzen, eben eine Hochschule für alle zu sein. Um etwa Asylwerberinnen und Asylwerber mit tertiärer Vorbildung den Einstieg in ein Studium oder den Beruf zu ermöglichen, gibt es eine Kooperation mit dem Fonds Soziales Wien: das Projekt "miteinander.Bildung.leben". Und im Juni weht vor der FH Campus Wien wieder die Regenbogenfahne. Damit soll unmissverständlich gezeigt werden: "Queer" ist Teil von uns! Nicht zuletzt deshalb hat die FH Campus Wien als erste Fachhochschule Österreichs auch die Charta der Vielfalt unterschrieben. Als Zeichen und Einladung an alle Menschen, sich bei uns willkommen zu fühlen.

Hochschularbeit ist immer Reformarbeit. Sie geschieht aus gesellschaftspolitischer Verantwortung. Auch an der FH Campus Wien. Wir sind auf einem guten Weg und noch lange nicht am Ziel.