Ägypten, Tunesien, Algerien, Marokko und Niger haben den Bau von Transitzentren abgelehnt. Der ägyptische Parlamentspräsident Ali Abd al-Aal argumentiert, dass sich in Ägypten bereits zehn Millionen Flüchtlinge aus Subsahara-Afrika und dem Nahe Osten befänden. Ägypten habe seine Kapazitäten daher erreicht. Ob sich in Ägypten tatsächlich so viele Flüchtlinge aufhalten, darf bezweifelt werden. Laut UNHCR sind es etwa 300.000. Kann sein, dass in dieser Übertreibung der Wunsch mitschwingt, mit der EU einen Deal einzugehen, ähnlich wie seinerzeit Libyens Präsident Muammar al-Gaddafi: Ihr gebt uns Geld, und wir sorgen dafür, dass die vielen Flüchtlinge in unserem Land nicht nach Europa weiterreisen.

Tatsache ist: Die Transitzentren sind (vorerst) vom Tisch. Ägypten will nicht zum Warteraum werden für Menschen auf ihrem Weg nach Europa. Nicht zuletzt, weil die Finanzierung dieses Warteraumes ungewiss ist. Die EU ist zur Frage einer gemeinsamen Flüchtlingspolitik und der damit verbundenen Aufteilung der Kosten nach wie vor uneinig. UNHCR und andere Organisationen - unverzichtbare Partner bei der Organisation von Transitzentren - sind chronisch unterfinanziert. Aus Sicht nordafrikanischer Staaten ist die Gefahr daher groß, am Ende mit den Kosten, aber auch mit der Flüchtlingsfrage alleine gelassen zu werden.

Schwierige Grenzkontrollen

Kooperationsbereit zeigen sich nordafrikanische Regierungen hingegen, wenn es zur Zusammenarbeit bei Grenzkontrollen kommt. So investiert die EU etwa in Libyens Küstenwache und unterstützt Niger und Mali beim Aufbau von Grenztruppen, die Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Libyen beziehungsweise Algerien aufhalten sollen. Doch das Dichtmachen der Grenzen funktioniert nicht so einfach, wie es mancher Politiker in der EU suggeriert. Die Südgrenzen Ägyptens, Libyens, Algeriens und Marokkos verlaufen durch die Sahara. Allein Libyens Grenze zieht sich durch 1500 Kilometer Wüste. Eine riesige, unübersichtliche Region, die man nicht einfach abriegeln kann.

Hinzu kommt, dass das (auch unter Beteiligung von EU-Staaten) ins Chaos gebombte Libyen über keine Regierung verfügt, die Abkommen mit der EU flächendeckend umsetzen könnte. Die von der EU unterstützte "Regierung der nationalen Einheit" in Tripolis hat weder die Kontrolle über bereits bestehende Anhaltelager, geschweige denn kann sie für den durchgehenden Schutz der Südgrenze sorgen.

Ägyptens Grenzen sind vor allem im Südwesten, in der libyschen Wüste, porös. In Algerien ist die Situation ähnlich. Im Süden grenzt das Land an Mauretanien, Mali und Niger. Die Routen durch die Wüste sind schwer zu kontrollieren. In Marokko ist die Situation eine etwas andere. Das Land verfügt über ein relativ striktes Grenzregime, freilich stehen auch hier Menschenrechtsverletzungen und Gewalt gegen Flüchtlinge an der Tagesordnung.

Horror-Lager in Libyen

Glaubt man Analysen zur Entwicklung der Flüchtlingsströme in den kommenden 20 bis 30 Jahren, wird Europa eine Zielregion bleiben. Der Wunsch der EU nach einer von allen Mitgliedstaaten getragenen gemeinsamen Flüchtlingspolitik, bei der die Kontrolle über die Außengrenzen gewahrt bleibt, ist verständlich. Die Kooperation mit nordafrikanischen Staaten ist naheliegend. Aber sie ist eben auch ein zweischneidiges Schwert. Denn Kooperation und finanzielle Unterstützung legitimieren und stärken Regimes wie jenes in Ägypten, das durch sein brutales Vorgehen gegen die Opposition und jede Form von Kritik den gesellschaftlichen Frieden gefährdet und dadurch zu einem Auslöser weiterer Fluchtbewegungen werden kann.