Vermögens- verstärkt Einkommensungleichheit

Chancengleichheit kann aber neben der Einkommensmobilität auch noch in einer anderen Dimension vermessen werden, nämlich hinsichtlich der Vermögensmobilität. Auch hier lässt sich Chancengleichheit wiederum bestimmen über die Frage, wie stark die Schaffung von Vermögen der heutigen Generation abhängig ist vom Vermögen der vorigen Generation: Besteht eine hohe Vermögensmobilität, ist der aktuelle Vermögensbestand relativ unabhängig vom Vermögensbestand der Eltern und die Chancengleichheit entsprechend hoch.

Die Zeitschrift "Trend" hat jüngst die 100 vermögendsten Familien Österreichs aufgelistet, die 24 Prozent des österreichischen Gesamtvermögens besitzen. Daten der Oesterreichischen Nationalbank zeigen gleichzeitig, dass die ärmsten 50 Prozent der österreichischen Haushalte nur 4 Prozent des Gesamtvermögens besitzen. Vermögensungleichheit verstärkt auch die Einkommensungleichheit, da sich das Gesamteinkommen von Haushalten aus Arbeits- und Kapitaleinkommen zusammensetzt.

Während jedoch im Jahr 2010 das Durchschnittseinkommen der "unteren" 95 Prozent aller österreichischen Haushalte lediglich zu 3 Prozent aus Kapitaleinkommen und zu 97 Prozent aus Einkommen aus Arbeit bestand, erzielte das oberste 1 Prozent der Haushalte knapp ein Drittel aus Kapitaleinkommen. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass das Gesamteinkommen dieser Haushalte mit 315.000 Euro das knapp Neunfache der "unteren" 95 Prozent (38.000 Euro) ausmachte. Eine ungleiche Vermögensverteilung hat somit enorme Auswirkungen auf die Verteilung der gesamten Markteinkommen.

Die Auflistung der 100 reichsten Haushalte zeigt vor allem eines: Die Familien, die Vermögen in nur einer Generation schaffen konnten, sind äußerst spärlich gesät. Der überwiegende Teil hat Vermögen bereits über Generationen akkumuliert und dieses an die nächste Generation verschenkt oder vererbt. Dass alle Studien zeigen, dass die Vermögensmobilität wesentlich geringer ist als die Einkommensmobilität, ist nicht verwunderlich.

Vermögen ist viel stärker konzentriert als Einkommen und Bildung und wird häufig unmittelbar, also ohne starken Eingriff durch die öffentliche Hand, übertragen. Bildungsmobilität und somit auch Einkommensmobilität sind zentral abhängig vom Zugang zu Bildung, und Vermögensmobilität ist abhängig vom Zugang zu Vermögen. Während aber der Erwerb von Bildung abhängig ist von der öffentlichen Bildungspolitik, werden die Übertragung und der weitere Erwerb von Vermögen zentral durch die Frage der Besteuerung dieses leistungslosen Erwerbs künftiger Einkommensquellen bestimmt.