Viele Kunden fragen uns, wie wir über den Euro denken und wie er sich 2018 entwickeln werde. Auch wir halten dies für eine zentrale Frage, die sich global auf die Anlagemärkte auswirken wird. Leider erleichtert sie nicht das Treffen von Prognosen. Währungsprognosen gleichen dem Zusammensetzen eines Puzzles - Kunstfertigkeit ist oft genauso wichtig wie Daten.

Doch bevor wir uns der Entwicklung eines Rahmenwerks zuwenden, um über die Zukunft des Euro im weiteren Jahresverlauf nachzudenken, sehen wir uns zunächst dessen relative Wertentwicklung gegenüber dem US-Dollar in den vergangenen zehn Jahren sowie in der ersten Jahreshälfte 2018 an.

In den Jahren 2014 und 2015 war die Euro-Abwertung (beziehungsweise Dollar-Stärke) am deutlichsten. Ende 2015 lag der Euro bei 1,08 Dollar - zum Vergleich: Anfang 2014 waren es noch 1,37 Dollar gewesen. 2017 war ein Ausnahmejahr, in dem es zu einer Aufwertung des Euro kam - in den vergangenen zehn Jahren hatte es keine Ereignisse mit einer auch nur ähnlich positiven Entwicklung gegeben. Globale Investoren waren 2017 von der relativ starken Wirtschaftsaktivität in der Eurozone sehr überrascht, und viele spekulierten, dass die Europäische Zentralbank dazu gezwungen sein könnte, ihr Lockerungsprogramm vorzeitig zu beenden. Der Euro hat nun die erste Jahreshälfte 2018 auf einem Niveau von 1,17 Dollar beendet.

Christopher Gannatti ist Head of Research Europe beim Indexentwickler WisdomTree. - © Wisdom Tree
Christopher Gannatti ist Head of Research Europe beim Indexentwickler WisdomTree. - © Wisdom Tree

Es gibt drei Konzepte, die wir in der Regel beim Versuch, Währungen zu prognostizieren, in Betracht ziehen. Zu beachten ist hierbei, dass es eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt, diese Eigenschaften zu analysieren, und dass keine davon exakte Aussagen über die Entwicklung des Euro treffen kann.

Konzept 1: Dynamik

Obwohl sich die Dynamik auf vielerlei Weise analysieren lässt, konzentrieren wir uns auf den 10-tägigen gegenüber dem 240-tätigen gleitenden Durchschnitt (siehe Grafik). Liegt der 10-tägige gleitende Durchschnitt unterhalb des 240-tägigen, bedeutet dies, dass der Euro eine Abwertungstendenz verzeichnet (diese Perioden sind in der Abbildung grau unterlegt). Umgekehrt gilt: Wenn der 10-tägige gleitende Durchschnitt oberhalb des 240-tägigen liegt, verzeichnet der Euro eine Aufwertungstendenz (nicht unterlegt).

Währungen verzeichnen historisch gesehen Trends, und es ist nützlich, diese Trends zu kennen und über potenzielle Faktoren nachzudenken, die in Zukunft für Veränderungen sorgen könnten. Im Moment deutet dies auf eine weitere Abwertung des Euro hin.

Konzept 2: Kaufkraftparität

Der sogenannte Big-Mac-Index des Wirtschaftsmagazins "The Economist" ist weithin bekannt. Das Prinzip dahinter lautet, dass ein Big Mac von McDonald’s - wechselkursbereinigt - auf der ganzen Welt dasselbe kosten müsste. Da dies in der Realität selten der Fall ist, können wir sagen, dass Währungen im Vergleich zueinander entweder "zu günstig" oder "zu teuer" sind, weshalb durch sie eine ähnliche Preisbildung von grundsätzlich gleichen Gütern in unterschiedlichen globalen Märkten verhindert wird.

Der aktuelle Euro-Wechselkurs (rund 1,17 US-Dollar) ist dem Niveau sehr ähnlich, auf dem er sich nach dem Prinzip der Kaufkraftparität befinden sollte. Dieses Konzept ist etwas komplexer - eine Währung kann über längere Zeiträume hinweg "zu günstig" oder "zu teuer" sein. Wir würden dieses Signal heute als prinzipiell neutral bezeichnen.

Konzept 3: Zinsveränderungen

2-jährige Zinssätze unterliegen, da sie sich am kürzeren Ende befinden, einem stärkeren Einfluss durch die Geldpolitik. Die US-Notenbank hat die Zinsen angehoben, während die EZB zu verstehen gegeben hat, dass sie die Zinsen in einem Zeitraum von rund zwölf Monaten nicht anheben wird. Der US-Zins für Anleihen mit 2-jähriger Laufzeit hat seinen Renditevorteil im bisherigen Jahresverlauf 2018 gegenüber dem deutschen 2-Jahres-Zins von rund 2,5 Prozent auf 3,2 Prozent erweitert.

Die 10-jährigen Zinssätze werden, da sie sich am längeren Ende befinden, stärker von Inflations- und Wachstumserwartungen beeinflusst. Der US-Zins für Anleihen mit 10-jähriger Laufzeit hat seinen Renditevorteil im bisherigen Jahresverlauf 2018 gegenüber dem deutschen 10-Jahres-Zins von rund 2 Prozent auf rund 2,5 Prozent erweitert.

In der Theorie bevorzugen globale Investoren höhere gegenüber niedrigeren Zinsen, was im weiteren Verlauf auf eine potenzielle Dollar-Aufwertung (Euro-Schwäche) hinweisen würde. Zusammenfassend haben wir also aktuell zwei Konzepte (Dynamik und Zinsen), die auf eine Euro-Abwertung hinweisen, kein Konzept, das auf eine Euro-Stärke hindeutet, und ein Konzept (Kaufkraftparität), das sich neutral verhält.

Fazit: Es ist wahrscheinlich, dass der Euro in der zweiten Jahreshälfte 2018 an Wert verlieren wird.