"Uns fragt ja niemand"


"Wer in Österreich wartet, bis er gefragt wird, der stirbt garantiert ungefragt. Man muss sich aufdrängen und riskieren, dass man zwölf Mal hinausgeworfen wird - beim dreizehnten Mal wird man gehört!" Also donnerte ein Bundesminister in den 1970ern. "Uns fragt ja niemand" gehört auch heute noch zu den häufigsten Jammerphrasen. Dies hört man von Lehrern, die von schlecht vorbereiteten Reformen geplagt werden, aber auch viele Gemeinden äußern sich in dieser Weise, wenn ihnen wieder einmal "von oben" Aufgaben aufgezwungen worden sind, ohne dass die zentralen Ressourcenfragen vorab geklärt worden sind - Kindergarten, Verzicht auf den Pflegeregress, schulische Nachmittagsbetreuung, Arbeitsbeschaffungsprogramme etc.

Auch den Gewerkschaften sind diese Reaktionsmuster nicht fremd. Dort wird gerne betont: "Wir wurden als widerständige Organisationen gegründet - es ist nicht unsere historische Rolle, vorab Vorschläge zu formulieren." Diese Haltung findet man auch an den Unis, Beispiel Deutschförderklassen: Es war bekannt, dass die türkis-blaue Bundesregierung Schwerpunkte im Bereich des Deutschlernens setzen wird, doch man hat universitätsseitig nicht vorab konstruktive Modelle entwickelt und präsentiert, sondern erst einmal abgewartet, was "von oben" kommt, um dann dagegen zu protestieren.

Wer nicht proaktiv "von unten her" agiert, sondern nur reagiert, wird sich stets in der schwachen und undankbaren Position des Verhinderers und Betonierers wiederfinden, der meist nicht gehört wird, denn ein "von oben" in die Welt gesetztes Unheil ist meist nicht mehr zu revidieren. Daher gilt es, durch vorab "von unten" entwickelte, überzeugende Modelle das oft lebens- und wirklichkeitsferne, unheilträchtige Produkt "von oben" erst gar nicht in die Welt kommen zu lassen. Erst wenn diese Umkehr gelingt, wird es echte Subsidiarität geben - und hier ist jede Gemeinde, jede Lehrperson, jeder Landarzt, jeder Bürger in der Pflicht.

Stärkung der "unteren" Ebene


Die Landespolitik wünscht sich sehnlichst konstruktive Ruhe und eine wache, kritische und gestaltungswillige Zufriedenheit der Bürger. So gut wie aller unproduktiver Ärger um die Schule ist nachweislich im überdimensionierten (weil aus k.&k.-Zeiten stammenden) Irrgarten namens "Schulverwaltungsföderalismus" begründet. Dieses Dickicht ermöglicht keinen Durch- und Überblick und erstickt dadurch Bürgerengagement.