Allerdings kann die Stimmung auch kippen - mit der Zeit werden Währungen durch eine höhere Inflation belastet. Ganz besonders betrifft dies Währungen von Ländern mit Inflationsraten jenseits der zehn Prozent. Beispiele der jüngeren Vergangenheit dafür sind Argentinien oder die Türkei. Die Abwertung der Währung erfolgt dabei aber nicht laufend, sondern in Wellen. Wenn das Vertrauen der internationalen Investoren verloren geht, ziehen sie ihr Geld ab, und es geht mit der Abwertung sehr schnell. Die türkische Lira hat etwa innerhalb von nur drei Monaten fast 20 Prozent eingebüßt, der argentinische Peso hat seit Ende April mehr als 25 Prozent seines Wertes verloren.

Typischerweise liegt in Industriestaaten die Inflation aber deutlich tiefer. Die Raten sind insbesondere seit Mitte der 1980er zurückgegangen und auch die Schwankungen der Preissteigerungen haben sich sichtlich verringert. Ein wesentlicher Grund dafür stellt nicht zuletzt die Fokussierung der Zentralbanken auf Preisstabilität dar. Aufgrund ihrer gestiegenen Glaubwürdigkeit, die ihrer größeren Unabhängigkeit zu verdanken ist, können sie das Ziel auch langfristig verfolgen. Als erstes Industrieland führte Neuseeland 1989 ein explizites Inflationsziel von zwei Prozent ein. Damals noch eine eher heuristische Größe, wurde dieses Inflationsziel in der Folge von vielen Zentralbanken übernommen.

Inhaber von Aktien
sind im Vorteil


Auch aus Anlegersicht muss man bei den Auswirkungen der Inflation auf das Anlageergebnis auf verschieden Aspekte achten. Steigende Inflation wirkt sich kurzfristig auf Anleiheninvestoren negativ aus, sie lässt die Zinsen steigen und führt zu Kursverlusten. Langfristig sind jedoch höhere Zinsen attraktiv, aber auch hier sollte man auf die Realverzinsung schauen. Auch hohe Zinsen bringen dem Anleger wenig, wenn die Inflation alles auffrisst.

Inhaber von Aktien sind - abhängig vom aktuellen Inflationsniveau - im Vorteil. Steigt die Inflation aufgrund des Wirtschaftswachstums, legen die Unternehmensgewinne zu, und die Aktien können sich gut entwickeln. Wirkt sich die Inflation aber über rasch steigende Zinsen und höhere Refinanzierungskosten bereits negativ auf die Unternehmensgewinne aus, ist das auch für Aktien nicht förderlich. Davon ist man derzeit aber entfernt. Selbst die USA, die Europa im Konjunkturzyklus voraus sind, befinden sich noch in der ersten Phase. Die Unternehmensgewinne brummen.

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