Wer das Schwarzmalerei nennt, sei an Fukushima erinnert: Hätte davor jemand die Befürchtung geäußert, dass ein Erdbeben, ein Tsunami und eine Kernschmelze im Atomkraftwerk zusammentreffen könnten, wäre er glatt für verrückt erklärt worden. Aber Murphys Gesetz ("Alles, was schiefgehen kann, geht auch irgendwann schief!") wirkt.

Nach meiner Meinung entspricht unsere Handlungsweise der leichten Schalterdrehung am Herd. Genau das tun wir seit Jahrhunderten, unbedacht und arglos, aber seit einigen Jahrzehnten wissen wir um das Risiko - und damit wird es zum Verbrechen an der Zukunft unserer Kinder; auch dann, wenn viele es nicht glauben und nicht wahr haben wollen, es bewusst abstreiten, daran sogar noch verdienen wollen.

Wen könnte man wegen
des Klimawandels klagen?


Jedem, der seine Kinder permanent solchen Gefahren aussetzt, können sie nach unserem Gesetz weggenommen werden, glaube ich; wenn das aber alle an den Kindern der Zukunft tun . . . Beim Europäischen Gerichtshof haben jetzt zehn europäische Familien stellvertretend für alle Bürger eine Klage eingebracht. Sie ist am 13. August zugelassen worden, EU-Kommission und EU-Parlament haben nun zwei Monate Zeit, um zu reagieren. Beide Institutionen würden "nicht wirksam genug gegen den Klimawandel vorgehen", lautet der Vorwurf - aber ich glaube, dabei wird nichts herauskommen; selbst wenn das Gericht derselben Meinung wäre, was könnten die Konsequenzen sein? Besser wäre es, zum Beispiel die USA und China auf Schadenersatz zu klagen - vorsorglich, für den Fall, dass jemals ein Schaden nachgewiesen werden könnte. Aber dafür müsste man den Internationalen Gerichtshof ansprechen, und der darf nur Klagen eines Staates annehmen.

Kiribati zum Beispiel wäre ein glaubhafter Kläger. Ein Staat aus 33 Korallenatollen, die mittlere Höhe 1,8 Meter über dem Meeresspiegel, 110.000 Einwohner und ein riesiger zugehöriger Anteil des Pazifischen Ozeans. Aber die Frage, ob die beobachtbare Erderwärmung durch den Menschen verursacht wird, zum Teil oder zur Gänze, ist strittig. Und für die Klärung von Fragen, die globale Nebenwirkungen unserer Lebensweise betreffen, gibt es bisher kein Genfer Abkommen, keinen Präzedenzfall; neben der Schadenshöhe für einen Kläger müssten auch eine gewichtete Aufteilung der Schuld festgelegt und Geld aufgetrieben werden (ein Nothilfefonds der UNO eventuell, in den jeder Erdbürger einen Dollar pro Jahr einzahlt?) - was eine völkerrechtliche Übereinkunft voraussetzen würde.

Eine solche Anklage könnte jedenfalls derzeit wohl nicht mehr als ein Zeichen sein.

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