Auf der anderen Seite des Spektrums organisiert sich schon lange der konservative und restaurative Teil der Zivilgesellschaft - inklusive rechtsextremer Gruppen - immer besser. Ein gutes Beispiel dafür ist die Waffenlobby-Organisation NRA. Als 1968 nach den politischen Morden an John F. Kennedy, Martin Luther King und Robert Kennedy das Waffenrecht verschärft wurde, modifizierte die NRA ihre Rhetorik mit Bezug auf den zweiten Verfassungszusatz: "Da eine gut ausgebildete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden." Bis dahin war dieser Zusatz nicht auf Zivilisten bezogen worden. Die NRA erklärte ihn nun erfolgreich zu einem Grundrecht für Amerikaner, zu einem Wesensmerkmal amerikanischer Identität - und damit war, unausgesprochen, eine weiße Identität gemeint.

Auflösung bei den Demokraten

Gleichzeitig reagierten die Konservativen in den USA auf die Erfolge der Bürgerrechtsbewegung, die den Rassismus in den USA überwinden wollte, mit der "Southern Strategy". Sie sollte weiße Wähler für die Republikaner gewinnen, anfangs vor allem, wie der Name sagt, in den Südstaaten, wo bis dahin konservative Demokraten politisch dominierten. Es ist ein Wendepunkt in der politischen Geschichte der USA. Seither hat die Republikanische Partei sich kaum für Schwarze oder andere Minderheiten engagiert und diese dementsprechend als Wähler verloren. Im Gegenzug gewannen sie bei Wahlen fast durchgängig die Südstaaten - dank ihrer weißen Mehrheit.

Präsident Lyndon B. Johnson war sich des Umbruches bewusst, als er die Bürgerrechte und die große Sozialgesetzgebung (Great Society) sowie eben das Schusswaffenkontrollgesetz durchsetzte. Bis dahin waren die Demokraten über lange Jahr die "big tent party" (in etwa: Volkspartei) gewesen, die sowohl liberale Großstädter, Gewerkschafter und migrantische Minderheiten als auch konservative Kleinstädter und Farmer beheimatete. Nun löste sich dieses Bündnis allmählich auf.

Etliche Soziologen und Politologen legen mittlerweile überzeugend dar: Die Spaltung der US-Gesellschaft existiert im Prinzip schon immer - aufgrund des Rassismus. Nur solange die Weißen die große Mehrheit stellten, solange sie Schwarze als Sklaven halten oder danach dank der rassistischen Jim-Crow-Gesetze unterdrücken und ausbeuten konnten, waren die Parteien weniger ideologisch. Seit jedoch die Demokraten sich der Gleichstellung der Schwarzen und anderer Minderheiten verschrieben haben und die Republikaner der "Southern Strategy", hat sich die gesellschaftliche Spaltung auf die beiden Parteien allmählich übertragen. Deren Polarisierung hat wiederum auch die Polarisierung der Gesellschaft verstärkt. Potenziert wird dies zunehmend durch die Medien, vor allem die Sozialen Medien, die obendrein von mächtigen Interessengruppen, teils sogar von anderen Staaten (etwa Russland) manipuliert werden.

Höhepunkte dieser Polarisierung waren zwei hochsymbolische Ereignisse: der Wahlsieg Barack Obamas, auch dank einer zivilgesellschaftlichen Graswurzelbewegung, die stark von Minderheiten getragen wurde - und als Reaktion jener Trumps, den weit weniger die eigene Partei als vielmehr eine zivilgesellschaftliche Bewegung ins Amt katapultierte. Sie hat ihre Wurzeln in der Tea-Party-Bewegung, die sich 2009 gegen Obamas Gesundheits- und Sozialreformen formierte, geht aber deutlich darüber hinaus.