Bürger versus Establishment

In jedem Fall haben engagierte Bürger mehr gegen als mit dem Partei-Establishment den politischen Wandel bewirkt. Und diese gegnerischen, ja fast verfeindeten zivilgesellschaftlichen Gruppen stehen einander auch jetzt, vor den anstehenden Zwischenwahlen, unversöhnlich gegenüber. Sie werden sich auf absehbare Zeit nicht über wesentliche Grundwerte der Gesellschaft oder eine Vorstellung von amerikanischer Identität verständigen können.

Die USA sind so gesehen ein hervorragendes Beispiel für die Grenzen politischen Engagements einer progressiven und emanzipatorischen Zivilgesellschaft. Die Bürger sind in dieser Konstellation so fern davon, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu schaffen, wie ihre politischen Repräsentanten, deren öffentliches Ansehen zudem so gering ist wie nie zuvor. Das Paradoxe ist jetzt: Die Zivilgesellschaft kann Veränderungen nur erreichen, wenn sie sich für Kandidaten einer politischen Partei einsetzt. Derzeit kann das nur die Partei, die wenigstens noch versucht, die Vereinigten Staaten als das zu begreifen, was der Name des Landes verspricht.

Ob die Demokraten jedoch reüssieren, ist durchaus zweifelhaft, da das Vertrauen in das politische System in den USA stark erodiert ist. Und das gilt leider für beide Seiten. Nur: Wenn vernünftige und rationale Bürger und Politiker nicht bald gemeinsam die Trump-Ära beenden, wird am Ende ein bitterer Aphorismus von Friedrich Nietzsche die Lage der USA treffend zusammenfassen: "Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein."

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