Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur im "extra" der Wiener Zeitung.
Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur im "extra" der Wiener Zeitung.

Woran erkennt man, dass es Weihnachten wird, falls es wieder einmal Temperaturen wie zu Ostern hat, Skirennläufer im Fernsehen über durch den grünen Wald führende weiße Schneisen aus Schnee vom Vorjahr brettern oder andere Umstände eintreten, die die Jahreszeit als solche vernebeln?

Am besten, man steigt in die heillos überfüllte, an eine Kabinenparty im Freibad erinnernde U-Bahn ein, liest den Hass der Leute aus ihren Augen ab oder wird unmittelbar Zeuge oder Zielobjekt einer Mordsstänkerei, die mit "Heast" beginnt und mit "Depperter" aufhört.

Vielleicht mischt sich dann jemand ein, woraufhin sich noch jemand einmischt, dessen Meinung den nächsten dazu motiviert, sich einzumischen - und ein Wort zu verwenden, das sich auf "Dorsch" reimt. Weil ein Schimpfwort, das sich extra für das Fest der Liebe auf Karpfen reimt, wurde noch nicht erfunden, "Würstel" wäre für einen zünftigen Weihnachtswickel entschieden zu harmlos - und über die Möglichkeit einer "Gans" ist zu sagen, dass man Frauen nicht beschimpft. Auch nicht zu Weihnachten, Depperter!

Von der Postfiliale her - und auch das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass der 24. naht - stehen sie am Anker vorbei aus der Lugner City in Richtung Ecke Gürtel hinaus. Auf der Gablenzgasse liegt ein Mann mit roter Arbeitskleidung und weißem Bart neben einer leeren Flasche Schnaps traurig im Rinnsal. Darüber hinweg steigen und kraxeln Horden an Menschen, die noch schnellschnell etwas einkaufen müssen, weil sie sonst wahrscheinlich auf der Stelle verhungern oder vor Langeweile umkommen würden.

Es ist doch so - und das wird allfällige Stänkereien in den kommenden Tagen noch zusätzlich befördern -, dass Weihnachten heuer zwar aus Arbeitnehmersicht ziemlich günstig liegt, an den Endverbraucher im Arbeitnehmer aber wieder einmal niemand gedacht hat. Man kennt das von jedem hundsordinären Zwickeltag, vor dem der Mensch zu hamstern beginnt wie am Vorabend einer dräuenden Zombieapokalypse. Was erst passiert, wenn der Hamstermensch nach dem 22. gezwungen wird, bis zum 27. weitgehend Einkaufsurlaub zu machen, weil die Geschäfte dazwischen nur am Heiligen Vormittag und am Heiligen Mittag, vielleicht noch am frühen Heiligen Nachmittag geöffnet haben - man will es sich gar nicht vorstellen.

Verlässlich wird am 27. alles kurz- und kleingeshoppt und die säuberlich sortierten Warentische im Modehaus verwandeln sich binnen Minuten in ein Stoffmassaker mit Ärmeln, um das herum es flucht, dass die Fetzen fliegen. Ich selbst werde am 27. nur zum Fleischhauer gehen. Der Mann ist eine natürliche Autorität. Sein Gesicht sagt: Wer mir blöd kommt, wird verwurstet.