Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Die Aufregung ist groß. Andreas Gabalier, das Schollenfiletstück der immerwiederösterreichischen Musikszene, der Shakin’ Stevens für zu spät geborene Lederhosen, die Mensch gewordene Postkartenidylle mit Skilehrer-Schmäh, der singende Mecki-Igel der zu kurz Kommenden, bekommt den Karl-Valentin-Orden der Münchener Faschingsgesellschaft Narrhalla. Wer schon ein so gnadenlos witziges Wortspiel in seinem Namen trägt, dem ist ein außerordentliches Expertentum für Humorbefreitheit schwer abzusprechen.

Wer es genau wissen will und auf die Webseite dieses Vereins der organisierten Ekstase und zeitlich-begrenzten Lustigkeit schaut, trifft dort auf Humorexperten, deren größtes Verdienst es ist, ehemaliger (Faschings-)Prinz oder Prinzessin oder gar Prinzessinenvater und Prinzenmutter zu sein. Der Präsident ist ein singender Gastronom, der sogar schon im Ausland aufgetreten ist. Diese geballte humoristische Kompetenz ist fachlich unantastbar. Und wenn dieser Verein meint, Andreas Gabaliers Volksrock’n’rolligkeit hätte was mit dem Volkssängertum valentinesker Art zu tun, dann ist das so. Schließlich ist ja auch das Völkerrecht das Regelwerk beim Völkerball. Da hätte sich ein ausgewiesener Satireexperte wie der Sportminister gar nicht einmischen müssen. Aber es ging natürlich nicht anders, schließlich ist er ja auch Witze-Kanzler.

Ha ha ha! Lei Lei! Tataa Tataa Tataa!

Was soll’s? Es ist Fasching, und "Fasching" kommt schließlich von "Faschismus". Oder ist es andersrum? Egal. Hauptsache, die militärisch organisierte Lustigkeit marschiert voran. Und ein Blick auf die Liste der vorherigen Preisträger sagt uns, dass hier alles seine Witz- und Richtigkeit hat: Voriges Jahr der Lachsack Philipp Lahm, 2014 der Politsatiriker Horst "Zu meinem Geburtstag schieb ich Afghanen ab" Seehofer, 2010 die humoristische Schauspielerdarstellerin Maria "Ich schau mal sehr betroffen" Furtwängler, 1989 Joseph "Ich bin dann mal weg" Ratzinger, 1984 Helmut "Ich hab noch einen Koffer irgendwo" Kohl. Alles echte Clowns, komische Gestalten, ultimative Lachnummern. Da passt der MaderlBuberlHunderlBergerlScheiterlGaberl-je perfekt dazu.

Was das alles mit Karl Valentin zu tun hat? Nichts. Aber nicht ärgern, nur wundern. Lieber den "practical joke" dieser Preisbenamsung übernehmen. Wie wäre es mit dem Udo-Proksch-Preis für Transparenz und verantwortliches Management? Oder der Karl-Lueger-Medaille für Philosemitismus und Toleranz? Der Gottfried-Küssel-Plakette für Völkerverständigung? Dem goldenen Herbert-Kickl-Hammer (Stichwort: "Ideenschmiede") für Lyrik, Amtsverständnis und Pferdeleberkäse?

Das mag der eine oder andere unpassend finden. Aber man kann sich auch hier etwas vom Karl-Valentin-Orden abschauen und einen stilistischen Kontrapunkt setzen. Der Orden selbst zeigt nämlich den großen Münchner Komiker in der für ihn typischen leicht gebückten Haltung. Und die Kette, mit der sich der Preisträger das Ding umhängen kann, ist an Valentins Hals befestigt.

Also sieht das Ding so aus, als hätte sich Karl Valentin anlässlich dieses Ordens aufgehängt. Und das hätte er wahrscheinlich auch.