Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek

Unlängst lese ich im "Profil", dass sich im Computerjargon deutsche Ausdrücke niemals durchsetzen würden. So gäbe es beispielsweise für das Wort Internet keine Entsprechung im Deutschen.

Das sehe ich nicht so. Ich muss aber vorher kurz etwas erklären. Unter Eindeutschung versteht man die Angleichung der Schreibung von Fremdwörtern an die deutsche Laut-Buchstaben-Zuordnung. Beispiele sind Büro für bureau, Keks für cakes, Schal für schawl, Streik für strike. Unter Verdeutschung hingegen versteht man die Ermittlung deutscher Entsprechungen für Fremdwörter. Eine Verdeutschung ist Bücherei für Bibliothek, Verfasser für Autor, Grundstein für Fundament, Lustspiel für Komödie.

Man bemerkt den Unterschied: Wenn Eindeutschungen akzeptiert werden, dann ist dies endgültig. Niemand würde heutzutage Bureau, Cakes, Schawl oder Strike schreiben. Wichtig ist offensichtlich, dass man den schreibenden Menschen Zeit gibt; sie dürfen nicht das Gefühl haben, überfahren zu werden. Das haben die Rechtschreibreformer nicht bedacht, als sie uns die Schreibung Majonäse andienten. Wir hatten uns so sehr an das Schriftbild Mayonnaise gewöhnt, dass wir von der alten Schreibung nicht abweichen wollten. Aber die Jugendlichen schreiben schon längst Majo. Irgendwann wird auch die eingedeutschte Majonäse salonfähig sein.

Ganz anders sieht die Sache bei den Verdeutschungen aus. In früheren Jahrhunderten haben Gelehrte neue Wörter erfunden und zu einem Teil auch durchgesetzt. Allerdings sind die alten Ausdrücke am Leben geblieben. Wir sagen weiterhin Bibliothek, Autor, Fundament und Komödie, neben den neuen Wörtern Bücherei, Verfasser, Grundstein und Lustspiel. Oft haben sich die Wortpaare ausdifferenziert. Wer ein Buch schreibt, ist eher ein Autor, wer einen Zeitungsbeitrag schreibt, eher ein Verfasser. Oft sind es nur Nuancen in der Bedeutung. In einem bestimmten Kontext verwenden wir das ursprüngliche Wort, in einem anderen das verdeutschte.

Bastian Sick wollte 2007 für Laptop das Wort Klapprechner einführen. Er ist kläglich gescheitert. Neben den Laptops werden auch Notebooks, Tablets und Convertibles angeboten, es ist sinnvoll, die einzelnen Gerätschaften auseinanderzuhalten.

Außerdem gibt es auch Lehnübersetzungen: Aus englisch flood light wurde Flutlicht, aus englisch data processing wurde Datenverarbeitung. Es geht also doch. Für Internet hatten ursprünglich ganz rechte Kreise das Wort "Weltnetz" erfunden. Es war eine Art Code. Wenn du auf einer Website unter "Kontakt" den Begriff "Weltnetz" gefunden hast, wusstest du, wie du dran bist.

Unabhängig davon kreierten Jugendliche für "Internet" das Wort "Netz". Seit einiger Zeit sagen sie beispielsweise: "Das habe ich im Netz gefunden/gelesen/bestellt." Mir gefällt dieser Ausdruck, er ist prägnant, außerdem passt er zu World Wide Web (www), die Bezeichnung für einen Internetdienst. Web ist ja auch ein Wort für Netz.

Mir fallen noch weitere Beispiele ein. Das Verb "to download" wurde lehnübersetzt zu "herunterladen", aus "to upload" wurde "hinaufladen". Was mich fasziniert: Es sind sogar mundartliche Formen entstanden: "I wea ma des Büdl glei’ oweloden."