Das Internet funktioniert bei mir fast genauso wie das Fernsehen. Schläfrig schalte ich mich durch die Sender, bleibe da ein paar Sekunden stehen und dort etwas länger, schaue nichts wirklich an, aber doch alles irgendwie und habe am Ende tausend Details, aber niemals das Ganze gesehen. Das muss man sich vorstellen wie Spazierengehen, nur halt virtuell. Man googelt und schaut, wohin man kommt. Zuletzt bin ich in der Tierwelt gelandet. Bei einem alten Indianer mit riesigem Federschmuck.

Der Indianer im Internet sah aus wie die Weihnachtspostkarte von den Winnetou-Festspielen. Weiß und würdevoll. Unterm Bild vom Indianer stand geschrieben, dass der Mensch nach dem Tod auf eine Brücke kommt. Dort sitzen alle Tiere, denen man im Leben begegnet ist. Und diese Tiere entscheiden, ob du weiter darfst oder nicht. Das fand ich dann doch interessant. Schöne Variante zum Jüngsten Gericht.

Da glaubt man, endlich ist alles vorbei, und dann sitzen die Viecher auf der Brücke und sofort kannst du noch als Toter schnell in die Bredouille kommen. Fleischhauer möchte man nicht sein in so einem Moment. Und Geflügelfabriksbesitzer sicher auch nicht. Aber mir, was soll mir schon passieren, wenn die Tiere abrechnen über mein Leben?

Solange sich die vielen Kärntner Hauswürsteln aus den vielen Kärntner Bauernhofbesuchen nicht direkt in vorwurfsvoll dreinblickende Schweineherden verwandeln, bin ich recht gelassen auf der Brücke, die direkt ins Jenseits führt. Und der erste Goldfisch, den ich als Kind bekommen habe, sollte bitte auch keine allzu große Stimme haben.

Der erste Goldfisch, den ich als Kind bekommen habe, hat ein erbärmliches Leben geführt. Erbärmlich und kurz. Dafür ging es der Schildkröte besser. Leider haben wir sie nach dem Winterschlaf im Keller vergessen. Dann gab es noch das kurze Intermezzo mit den aufgeblasenen Fröschen, aber kaum raus aus den kurzen Hosen war ich wirklich gut zu Tieren. Kein Hund, den ich nicht streicheln würde. Ob das genügt? Hoffentlich stirbt gleichzeitig mit mir irgendwo auf der Welt ein guter Anwalt. Ein wenig Rechtsbeistand kann nicht schaden, wenn es am Ende wirklich über diese Brücke geht.