Erinnern Sie sich noch an die Zeiten, als an der Südautobahn knapp nach der Ausfahrt Wien ein unförmiges Gebilde mit der Aufschrift "Ich bin zwei Öltanks" stand? Nun: Öltanks sind nicht aus der Mode gekommen, aber die Erzeugnisse des deutschen Herstellers Haase werden nicht mehr mit dem einprägsamen Slogan beworben. Irgendwie schade. Vielleicht könnte hinkünftig die Bundesregierung einspringen? Denn die ist jetzt zwei Denktanks. Da ist einerseits die Stabstelle "Think Austria" rund um die Strategieberaterin und Sonderbeauftragte Antonella Mei-Pochtler, von Bundeskanzler Kurz höchstpersönlich auserkoren. Andererseits hat nun auch sein Vize Strache einen Thinktank avisiert, der - man neigt ja in treudeutschen Kreisen nicht der Englischsprachigkeit zu - den Namen "Denkwerk Zukunftsreich" trägt. Könnte glatt von Friedensreich Hundertwasser Regentag Dunkelbunt erfunden worden sein, könnte es nicht? Egal: Es darf nachgedacht werden. Etwa darüber, was eigentlich all die hochbezahlten Spitzenbeamten der Republik so machen?

Aber vielleicht braucht es auch kein Fachwissen mehr. Oder eines, das sich mehr auf Showeffekte und Öffentlichkeitswirkung bezieht. Insofern ist etwa der Gedanke, Vera Russwurm könnte das staunende Publikum künftig mit Gesundheitstipps versorgen oder Thomas Brezina als "Digitalisierungsbotschafter" in Erscheinung treten, nicht ganz abwegig. Ich persönlich würde noch - dieser Ratschlag ist kostenlos! - Felix Baumgartner an Bord holen: als Generalkommandeur des Bundesheer-Ballonbataillons.

Genug gescherzt. Wenn Bildung, Bildung, Bildung die einzige Chance ist, der Gegenwartsmisere zu entkommen, ist das ein denkwürdig konkretes Kontrastprogramm. Ohne Zweifel: ein Thema, das keine Zynismen verträgt. Und keine Parteipolitik. Dafür deutlich mehr Gehirnschmalz, als selbst tausend Think Tanks liefern könnten. Von der budgetären Unterfütterung ganz zu schweigen. Nun: Auf diesem Sektor läuft alles in Richtung Digitalisierung. Der Schlüsselbegriff lautet: digitale Kompetenz. Ohne diese Trumpfkarte des gemeinen Berater-Bullshit-Bingos kommt kein Zukunftskonzept mehr aus. Insofern kann es auch nicht wirklich überraschen, wenn die Ausstattung von Haupt-, Sonder-, Volks- und Mittelschulklassen mit Laptops, Tablets und Lerncomputern zum Kern der fortschrittlichen Agenda gehört - von der (allerdings nicht für Bildung zuständigen) Ministerin Schramböck abwärts. Erst neulich kam mir wieder eine Twitter-Botschaft aus ihrem Ministerium unter. Sie zeigte eine Kinderschar vor aufgeklappten Rechnern. "Was für österreichische Schüler die Füllfeder ist", lautete der Mahnruf, "ist für ihre estnischen Kollegen der Laptop. Hier wird Schülern der dritten Klasse Volksschule das Programmieren beigebracht."

Schön. Jetzt würde mich aber doch glatt noch die Meinung wirklicher Experten aus den Bereichen der Bildungslehre, Humanbiologie, Philosophie, Psychologie, Informatik und Entwicklungspädagogik interessieren, ob dieses schematische Denkmodell Sinn macht. Meinetwegen soll auch Thomas Brezina seinen Senf dazu geben, aber es muss nicht sein.