Mir als von früher Kindheit an habituellem und leidenschaftlichem TV-Sport-Konsumenten kann man viel vorsetzen (früher schaute ich sogar Voltigieren, Faustball und rhythmische Sportgymnastik, als der ORF derlei Randsporten noch zeigte), aber mit dieser alpinen Ski-WM kann man mich (ver-)jagen. Bei dem Event in Aare stimmen weder Inszenierung noch Produkt.

Was für ein Tam-Tam rund um mickrige Rennen, welche nationalen Aufregungen wegen lächerlichster Hundertstel-Entscheidungen auf zu kurzen und anspruchslosen Pisten! Und dann wird die ganze Jämmerlichkeit noch mit seltsamen Bewerben (wie den leider nun doch weiterhin im Bewerb verbleibenden Kombinationen) auf zwei Wochen gestreckt, wobei selbst kurze Trainingsläufe vor leeren Zuschauerrängen im Fernsehen übertragen werden. Da bräuchte es schon den unvergessenen Heinz Prüller (wie geht’s dem eigentlich?), der solche Nicht-Ereignisse mit Mehr-Generationen-Geschichten der einzelnen Läuferinnen und Läufer als Kommentator halbwegs unterhaltsam aufbesserte.

Aber nicht nur die Wahl des schwedischen Austragungsortes ist - aufgrund der dort bekannten meteorologischen Turbulenzen und des mangelnden Zuschauerinteresses - lächerlich, sondern die Idee der Ski-Weltmeisterschaft an sich. Die Absurdität dieser Veranstaltung, die - nicht nur in Aare - ihre großsprecherischen Ansprüche niemals einlösen kann, zeigt sich am ehesten durch einen Vergleich. Es ist so, wie wenn man in der Formel-1 mitten in der laufenden Saison mit einem einzigen Rennen - sagen wir: dem Großen Preis von San Marino - den Weltmeister küren würde. Genau das passiert im alpinen Skisport.

Ähnlich wie in der Formel-1, die terminologisch präziser ist (indem sie die gesamte Saison als Weltmeisterschaft bezeichnet), werden ja auch im alpinen Skisport über die Wintersaison hinweg internationale (Sparten-)Gesamtsieger ermittelt. Diejenigen, die sich dabei durchsetzen, sind die wahren Weltmeister, auch wenn sie hier halt Weltcup-Sieger heißen.

Das sind sportlich wertvolle und aussagekräftige Titel, und nicht diese einer Lotterie gleichenden Ein-Tages-Entscheidungen, bei denen sich freilich - aber auch das ist oft Zufall - dann doch die "Richtigen" durchsetzen (wie in Aare mehrfach). Diese Zuspitzung auf einen "Moment" ist nichts anderes als emotionales Marketing, der Rest medial gelenkte Aufmerksamkeitsökonomie für Tourismusorte. Aber eben gerade weil dieser Marketing-Aufwand so eklatant überwiegt, verwundert es, dass in unseren Consulting-gesteuerten Zeiten niemandem auffällt, dass das Produkt nicht (mehr) stimmt.

Aber vermutlich liegt das auch an dem sklerotischen Verein, der diesem "Unternehmen" vorsteht. Hier, nämlich bei der FIS, trifft die ansonsten viel zu oft pauschal gebrauchte und pejorativ gemeinte Zuschreibung eines "Klubs von alten, weißen Männern" wirklich zu, bei dem sich - wie in Aare ja geschehen - greise Funktionäre mit dumm-dreisten Aussagen buchstäblich zum Kasper machen. Höchste Zeit für einen Klimawandel in diesem Wintersport.