Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Das kennen ja viele. Der Partner fragt einen: "Liebst Du mich noch?", und man antwortet mit der größten Gefühlsaufwallung, zu der man sich gerade (es ist halb sieben in der Früh) in der Lage fühlt: "Natürlich. Solange ich nichts Besseres finde . . . sicher!" Und urplötzlich ist das Gegenüber tödlich beleidigt, und es braucht mehrere Anläufe mit Blumen, Essenseinladungen und Oralverkehr (und damit ist nicht der angenehme nonverbale gemeint, sondern der nervige mit vielen Worten und Widerworten, der auch als "Beziehungsdiskussion" berüchtigt ist), um dem geliebten Menschen klarzumachen, dass man nur gemeint hat, dass er oder sie ohnehin das Beste wäre, was man finden könnte. Und das habe man schließlich auch so gemeint. Und nur das. Befriedet geht man dann schlafen, nicht ohne einen letzten Blick auf die Dating App zu werfen.

So heikel, wie es in Beziehungen ist, ist es natürlich erst recht mit Äußerungen in der Öffentlichkeit. Wenn ich beispielsweise sagen würde: Das eine oder andere Regierungsmitglied ist ein karrieregeiler Machtmensch, dann könnte man meinen, ich würde es kritisieren. Aber das Gegenteil ist der Fall: In Wahrheit bewundere ich die Zielstrebigkeit und das Durchsetzungsvermögen der Person. Ich habe das vielleicht nur möglicherweise etwas unglücklich formuliert. Ein Missverständnis. Oder wenn ich sagen würde: Die eine Regierungspartei ist ein Sammelbecken von ewiggestrigen, nationalistischen Autoritären und Antidemokraten. Dann meine ich das überhaupt nicht negativ, sondern betone vielmehr, wie traditionsbewusst, heimatliebend und führungsstark diese Partei ist und auch bei starkem medialen Gegenwind zu ihren Überzeugungen steht. Nichts anderes hatte ich gemeint.

Und auch wenn ich den einen oder anderen Minister als "ab’zwickten Komplexler" bezeichnen würde, wäre das nur ein Lob für seine Fähigkeit, wie er trotz geringer Körpergröße konstruktiv mit seinen Defiziten umgeht. Wer etwas anderes verstehen will, muss schon arg bösartig sein. Und wenn ich einem x-beliebigen Landesrat empfehlen würde, sich mal ein Irrenhaus von innen anzusehen, meine ich damit nichts anderes, als dass ich mir wünschen würde, dass sich die Politik auch um die Situation von psychisch Kranken kümmert. Was jeder, der guten Willens ist, aus dieser Aussage auch herauslesen kann. Und wenn ich
laut darüber nachdächte, bei der nächsten Zusammenkunft der nationalistischen Parteien in Europa möge doch ein "Blitz die alle beim Scheiß’n treffen", dann ist das nichts anderes als der Ausdruck meines Wunsches, die Damen und Herren sollen im Zuge eines befriedigenden Stoffwechsels einen guten Einfall haben. Was hätte ich denn sonst meinen sollen?

Und wenn mir jetzt trotzdem wer daraus einen Strick drehen, mich moralisch oder gar juristisch an den Pranger stellen möchte, dann erlaube ich mir, darauf hinzuweisen, dass ich all das gar nicht geäußert habe, sondern dies nur ein Gedankenspiel war, was passieren würde, sofern ich etwas sagen täte. Alles reine Möglichkeitsform. Ich habe also eigentlich gar nichts gesagt. Klar? Eben. Da haben wir uns missverstanden. Also eigentlich wurde mir hier etwas unterstellt. Weshalb ich jetzt sofort eine Entschuldigung fordere.