Holger Rust, geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover.
Holger Rust, geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover.

Vorsicht, jetzt wird es ernst: Sie kommen wieder - die Humorberater. Und natürlich nehmen sie sich als Erstes die Manager vor. Denen kann man ja alles verkaufen, auch das, was gestern en vogue war und dann solange in Vergessenheit geraten ist, dass es schon nicht mehr wahr ist. Zeit also, die alten Konzepte wieder auszukramen und neu zu verpacken. Sie lachen? Das ist gut. Denn schon sind Sie ein ganzes Stück gesünder und sympathischer, und alles läuft gleich wie geschmiert.

Warum? Recht simpel: Lachen fördert die Produktion der hormonellen Botenstoffe Adrenalin und Beta-Endorphin. Außerdem sind achtzig Gesichtsmuskeln in Bewegung und erzeugen diese sympathischen Lachfältchen, die vor allem Außendienstler unwiderstehlich machen.

Das sagen jedenfalls die Anbieter von Lach-Seminaren und Humor-Workshops. Und sie mahnen uns und berufen sich auf einen relativ jungen Wissenschaftszweig, der sich mit dem Lachen beschäftigt - die Gelotologie. In deren Fachorganen gibt es traurige Statistiken zu lesen: In den 50er Jahren lachten die Menschen durchschnittlich 18 Minuten am Tag. Anfang des Jahrtausends waren es nur noch sechs Minuten. Heute lacht keiner mehr.

Grund? Leistungsdruck, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (völlig humorlos) etc. Die ältere Leserschaft wird sich erinnern: Es ging hier schon mal darum, etwa um 2001. Da weste der erste vollberufliche "Humorberater": Paul McGhee war Chef der Firma "The Laughter Remedy". McGhee wurde vor Kurzem nun noch einmal, passend zur Wiederauferstehung der Lachberatung, in einer Festschrift geehrt, einer Sonderausgabe von "Humor - International Journal of Humor Research".

Den europäischen Griesgram hatte er erstmalig auf einem Kongress der Baseler Gesellschaft für Individualpsychologie bearbeitet. Und lieferte gleich eine Kostprobe seines Humors: "Humor is fundamental." Verstanden? Nein? "FUNdamental." Jetzt? Na dann. Zudem formulierte er revolutionäre Organisationsreformen: einen Humorausschuss im Unternehmen einrichten etwa. Oder einen Humorraum. Deutsche und Österreicher, die oft zum Lachen in den Keller gehen, konnten daran nichts Originelles finden.

Die zeitgenössische Variante nun setzt auf aktuelle Trends und entwirft synkretistische Konzepte: Lach-Yoga etwa, natürlich auf der Grundlage neuester Erkenntnisse der Hirnforschung. Da sich aber nach diesen Impulsen jeder Stammtischbruder "Humorberater" nennen könnte, muss man wohl auch noch einmal jene Zertifizierungsversuche aus der Versenkung holen, die in Basel schon formuliert worden waren. Neben Einführungen in "paradoxe Gesprächstechniken" stößt man auf Module zur "nonverbalen Humorarbeit" oder zum "Reflexlachen".

So gibt es nicht mehr nur die Trauer- und Beziehungs-, sondern auch die Humorarbeit. Vermutlich hat der gemeine Arbeitnehmer dafür Anspruch auf Bildungsurlaub.