Der Karfreitag, bisher ein exklusiver Feiertag für wenige, wird also doch nicht erst ab 14 Uhr einer für alle sein, sondern schon von der Früh weg . . . gar keiner mehr. Für niemanden. Ja, eh super. Jetzt hat wenigstens jeder - nix. Oder eigentlich kriegt jeder seinen ganz "persönlichen Feiertag". Okay, das Geschenk muss er sich selber bezahlen. Aus seinem Urlaubsanspruch. Einen Urlaubstag dafür hergeben. Aber immerhin.

"Damit kann jeder für sich individuell, neben den 13 Feiertagen, die er fix hat, individuell entscheiden, welcher Tag im Jahr ist mir besonders wichtig", erklärt der Vizekanzler. Die alte Regelung war ja echt diskriminierend. Dass eine religiöse Minderheit einen Feiertag für sich allein hat, während die religiöse Mehrheit ihre Feiertage mit allen teilen muss. Sogar mit den Atheisten. Am Nationalfeiertag haben Nicht-Staatsbürger doch ebenfalls frei. Und am Tag der Arbeit müssen auch die Arbeitslosen nicht hackeln. Am meisten hat der "Karfreitag alt" freilich die Evangelischen (und die Altkatholiken) benachteiligt. Auf dem Arbeitsmarkt. Aber nun sind sie endlich nimmer teurer als die übrigen Beschäftigten. Und die neue Regelung? Wäre überhaupt nicht nötig gewesen, wenn dieser Konfessionslose nicht auf Gleichbehandlung geklagt hätte. Wäre er einfach zu den Protestanten konvertiert, dann hätte er seinen Feiertag gehabt. Sollte es eine Geldfrage gewesen sein (es war eine Geldfrage: Er wollte die Feiertagszuschläge): Den Kirchenbeitrag hätte er nachher sowieso von der Steuer absetzen können.

Warum dem nächsten EuGH-Urteil nicht vorgreifen und gleich sämtliche gesetzliche Feiertage in "persönliche" umwandeln? Niemand verliert was. Die fünf Wochen Urlaub bleiben ja genau gleich lang. Und 13 Tage davon werden noch dazu aufgewertet. Eine Win-win-Situation für die Wirtschaft und die Arbeitgeber, Tschuldigung: -nehmer. Wäre noch diese andere völlig unnötige Belastung für die im harten internationalen Wettbewerb stehenden heimischen Unternehmen: die leistungsfeindliche Wochenend-Ruhe. Hm. Könnten "persönliche Sonntage" die Lösung sein? Mehr Eigenverantwortung des Arbeitnehmers, weniger Bevormundung durch ein weltfremdes Arbeitsruhegesetz. Damit kann jeder für sich individuell entscheiden: Welche 52 Tage im Jahr sind für mich besonders sonntäglich? Und brauch ich wirklich jede Woche einen Tag zum Tachinieren? Und wer in die Kirche gehen will, nimmt sich seinen Sonntag eben - sonntags. Moment: Ein Tag pro Woche? Und was ist mit dem Samstag? An dem wird gewerkelt. (Wenn die Billa-Kassierin das kann . . .) Wo läge das Problem? (Bei den Zuschlägen ab 13 Uhr. Die müssten halt weg.)

He, bei einer Sechstagewoche hätte man fünf Urlaubstage mehr! 30 statt 25! Äh, und wie sollen sich mit denen die 13 "persönlichen Feiertage" und 52 "persönlichen Sonntage" ausgehen? (13 + 52 = 65) Na gut, dann meinetwegen neun Wochen Urlaub. Volle neun Wochen. Die Sonntage inklusive. Und als spezielles Zuckerl: zweimal Urlaubsgeld. Ein zweites 13. Gehalt? Zusätzlich zum 14.? Quasi ein 15.? Nein, wieso? Dafür wird natürlich das Weihnachtsgeld abgeschafft. Aus Rücksicht auf die Andersgläubigen und Atheisten. 9 mal 7, aber ist das nicht 63? Fehlen da also nicht zwei Urlaubstage? Ach, die sollen sich nicht so anstellen, die Arbeitnehmer. Wegen läppischen zwei Tagen, bitte.