Mein Computer hat ein Problem mit dem Zwölfstundentag. Er kriegt das alles nicht mehr auf die Reihe. Und weil er das alles nicht mehr auf die Reihe kriegt und ich trotzdem viel zu viel von ihm verlange, schaltet er sich zwischendurch immer wieder mal ab. So, als ob er kurz auf einen Kaffee gehen würde, einfach nur, um den Computerkopf frei zu kriegen. Hinterher laufen alle Programme wieder prächtig. Zumindest meistens. Zumindest meistens bis vor zwei Wochen. Mittlerweile ist prächtig ein sehr relatives Wort geworden zwischen meinem Computer und mir. Er läuft. Sagen wir mal so.
Ich stelle mir gerne vor, dass mein Computer ein alleinstehender älterer Herr ist. Ein alleinstehender älterer Herr mit ausgetragenen Schuhen und einem dunkelbraunen Anzug aus dickem Schnürlsamt. Ich kann seine Kopfschmerzen förmlich sehen. Grelle Blitze ziehen auf, wenn ihm ein Befehl zu viel wird, gleich danach geht gar nichts mehr. Wäre mein Computer wirklich ein alleinstehender älterer Herr mit ausgetragenen Schuhen und einem dunkelbraunen Schnürlsamtanzug, dann hätte ich schon längst um eine Heimhilfe angesucht. So aber ist er mein Computer. Als Heimhilfe hat er niemanden außer mir.
Ich bin ein schlechter Krankenpfleger. Ich kann meinen Computer kurzfristig ins Leben zurückholen. Mehr kann ich nicht. Allmählich spüre ich, dass das nicht reichen wird.
Immer öfter sehe ich mich nach einem neuen Computer Ausschau halten. Heimlich natürlich. Wenn das mein alter Computer merkt, bin ich dran.
Zum Reparieren bringe ich meinen Computer aus verständlichen Gründen nicht. Ich denke, das wäre sein sofortiger Tod. Mein Computer darf zu Hause sterben. Das hat er sich verdient. Es ist nicht so, dass mein Computer und ich eine romantische Beziehung haben. Ich würde das eher als ein entspanntes Arbeitsverhältnis bezeichnen. Wir kennen uns nun schon seit vielen Jahren, und dass keiner den anderen versteht, damit haben wir uns längst abgefunden. Wir respektieren einander. Eventuell komme ich mit dieser Methode doch noch durch die Zukunft.