Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Der Opernball ist vorbei, aber der Fasching geht weiter. Man wirft sich ins Kostüm und gibt sich für ein paar Stunden und mehrere Kurze (der Schnaps ist gemeint, nicht der Kanzler) eine neue Identität. Und so wenig wie die "stade" Zeit vor Weihnachten, wirklich "stad" ist, so wenig ist die närrische Zeit närrisch. Im Gegenteil: Es herrscht allgemeine unfreiwillige Selbstentblößung. Polizisten verkleiden sich als Prinzessinnen und Chefsekretärinnen als feuerspeiende Drachen.

Was aber, wenn sich das ganze Land verkleiden könnte? Man stelle sich vor, Österreich würde sich dieses Jahr in den Sari schmeißen und als Indien gehen. Dann wären am Wurzen- und am Loiblpass 70.000 Soldaten stationiert und unsere Atomraketen auf Slowenien gerichtet, welches immer noch Ansprüche auf Südkärnten erheben würde.

Wenn Österreich dagegen dieses Jahr als Russland ginge, säße im Sessel des Regierungschefs ein Vertreter des Geheimdienstes der letzten zugrunde gegangenen Diktatur, also zum Beispiel ein ehemaliger Gestapo-Offizier. Zeitgleich würden von Österreich unterstützte paramilitärische Verbände einen Bürgerkrieg in Südostbayern entfacht und die "Volksrepublik Chiemgau" ausgerufen haben. Und dass, obwohl österreichische Fallschirmjäger schon vor Jahren die Bodenseeinsel Mainau besetzt hätten. Wär’ aber alles nicht so schlimm, schließlich gäbe es einen Kooperationsvertrag zwischen der Partei des Regierungschefs und der nationalistischen Partei Luxemburgs.

Wenn Österreich aber diesen Fasching die EU wäre, würden wir alle über den "Xixit" diskutieren, weil immer noch nicht klar wäre, wann und ob und wenn ja wie jetzt die Vorarlberger aus dem Staatsverband ausscheiden wollen würden. Die Waldviertler und Burgenländer wiederum würden die Regierung, die sie selbst mit Personal beschicken, als "Diktatur" bezeichnen, Bezirksrichter willkürlich absetzen und Steuergelder, die sie aus Bundesmitteln erhielten, veruntreuen. Und die "Central Austrian University" müsste von Eisenstadt nach Graz umziehen, weil der Landeshauptmann Doskozil überall "unburgenländische" Verschwörungen wittert.

Wenn Österreich jedoch China wäre, würden wir chinesische Städte in den Alpen nachbauen. Und Salzburg wäre erst seit 1951 Teil von Österreich. Da in diesem Jahr die österreichischen Truppen der sozialistischen Regierung in Wien den Gottesstaat an der Salzach besetzt und den Salzburger Erzbischof vertrieben hätten. Der reist seither durch die Welt und will auf das Schicksal seines Landes aufmerksam machen. Mit abnehmendem Erfolg. Schließlich wollen alle beim rasanten österreichischen Wirtschaftswachstum mitnaschen. Und dass, obwohl wir eine sozialistische Einparteien-Herrschaft hätten mit dem absolut herrschendem Michael Ludwig an der Spitze.

Wenn Österreich aber dieses Jahr mit dem Cowboyhut als USA den Faschingsball beträte, dann würde sich der Bundeskanzler mit dem Diktator von Nordzypern auf Elba treffen und ihn einen "Freund" nennen. Und der Bundeskanzler wäre Richard Lugner.

Stattdessen ist aber alles halb so wild. Wir diskutieren über den Karfreitag und nur der Innenminister geht vielleicht als Gefängniswärter auf sein Gesinnungsgschnas. Alles nicht so ernst gemeint. Ist ja Fasching.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

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