Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek

Aus mehreren Gründen kann ich mich als Quiz-Aficionado bezeichnen. Ich verfasse seit Jahren ein kleines Sprachquiz für das Branchenmagazin "Der Journalist", für Ferdinand Piatnik & Söhne habe ich Spiele entwickelt: "Das neue Wien-Quiz", "Das neue Österreich-Quiz" und das Brettspiel "Challenge Austria".

Daher schlug ich gespannt den zweiten Band von Bastian Sicks "Wie gut ist Ihr Deutsch? Der neue große Test" auf. Im ersten Teil des schön illustrierten Taschenbuchs gibt es 200 Fragen mit vier möglichen Antworten, im zweiten Teil folgt die Auflösung mit Kommentaren. Es geht darum, Rechtschreibfehler zu korrigieren, fehlenden Kommas zu setzen oder die Etymologie von Wörtern und Redewendungen zu erraten. Vieles ist originell präsentiert: "Welches dieser Fremdwörter fällt aus der Reihe, weil es aus anderen Bausteinen zusammengesetzt ist als die anderen?" Oktopus, Pentagon, Trilogie oder Paragraf? - "Wie läuft der Fuchs?" Er schnurrt, spürt, schnürt oder spurt?

Bastian Sick hat sich bei der Auswahl der Fragen bemüht, auch etwas Spezielles für Österreicher und für Schweizer zu bringen. Wir wissen natürlich, dass Mario Simmel zwar in der Schweiz lebte, aber ein Österreicher war, und dass Udo Jürgens mit "Merci, Chérie" der große Wurf gelang. Derartige Fragen haben wenig mit dem Titel des Buches zu tun, sie lockern aber auf.

Eine interessante Fragestellung lautet: "Gibt es einen Bedeutungsunterschied zwischen Fahne und Flagge?" Sick meint dazu: "Nein. Es sind zwei Wörter verschiedenen Ursprungs für dieselbe Sache. In den vermeintlichen Unterschied zwischen Fahne und Flagge wird viel hineininterpretiert, was nie da war."

Das ist ein Irrtum. Als Jugendlicher feierte ich den "Tag der Fahne" und nicht den "Tag der Flagge". Auf dem Mast eines Schiffes hängen nicht Fahnen, sondern Flaggen. Wir unterscheiden aufgrund der Funktion und aufgrund der Größe, eine Fahne ist normalerweise größer als eine Flagge. Am Auto des Bundespräsidenten können nicht zwei Fahnen hängen, sondern nur Flaggen. Es gibt also sehr wohl beträchtliche Unterschiede in der Bedeutung.

Richtig ist Sicks Hinweis, dass das Wort Flagge aus dem Norden des Sprachraums stammt und das Wort Fahne aus dem Süden. Und dass in feststehenden Redewendungen Fahne und Flagge nicht ausgetauscht werden darf. Wer sich etwas an die Fahne heftet, der hat es sich nicht an die Flagge geheftet. Es heißt Flagge zeigen, und wer alkoholisiert ist, der hat eine Fahne.

Wir wissen, dass Bastian Sick ein Sprachkonservativer ist. Er will alte Sprachregeln erhalten, setzt sich beispielsweise dafür ein, dass nach dem Prinzip "Wenn ist würdelos" in "Wenn-Sätzen" immer der Konjunktiv steht, auch wenn das in manchen Fällen heutzutage komisch klingt. Gleichzeitig führt er einen Kampf gegen Anglizismen, auch wenn es keine geeigneten deutschen Äquivalente gibt.

Umso mehr wundere ich mich, dass Sick nichts gegen neue Wörter mit dem zurzeit überaus produktiven Suffix -bar hat. Eine Frage dreht sich um "öffenbar". Dazu bringt er folgenden Beispielsatz: "Das Hotelfenster ist öffenbar." Nach meinem Sprachgefühl ist das furchtbar.

Robert Sedlaczek ist
Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.