Im Mai 2017 hat Chinas Präsident Xi Jinping die Vertreter von nicht weniger als 100 Staaten zu sich geladen, um das Projekt "Neue Seidenstraße" zu präsentieren. Dieses umfasst den Ausbau neuer Eisenbahnlinien, Straßen und Seeverbindungen von China nach Europa und Afrika, außerdem die Errichtung von Kraftwerken und Infrastruktur, die Implementierung von Logistiksoftware, kulturellen Export und Forschungszusammenarbeit. Dafür will China mehr als eine Billion Dollar in rund 65 Ländern investieren.

Groß investieren musste man schon in der Antike, wollte man am Fernhandel mit dem Reich der Mitte partizipieren und lukrative Geschäfte machen: Die mächtigen Familien von Palmyra im Herzen Syriens etwa finanzierten Karawanen, die die begehrten chinesischen Waren - allen voran Seidenstoffe - durch den Nahen Osten bis an die Küsten des Mittelmeeres brachten, von wo sie in alle Gegenden des römischen Reiches verschifft wurden. Im Gegenzug kamen Luxuskeramik, Edelsteine und Glas in den Osten. Üblicherweise organisierten Großhändler den Warentransport nur über eine bestimmte Wegstrecke, ehe die Waren vom nächsten Lieferanten übernommen wurden.

Manchmal machten sich Händler aber auch auf, um den weiten Weg nach China auf sich zu nehmen und direkt Kontakt mit den Produzenten vor Ort herzustellen. Möglicherweise kamen römische Kaufleute so im 2. Jahrhundert an den Hof chinesischer Potentaten, zumindest wird in chinesischen Quellen davon berichtet, dass eine Gesandtschaft "von Antun, König von Daqin (Rom)" zu Kaiser Huan aus der Han-Dynastie reiste. Wer dieser "Antun" war, kann nicht mehr eindeutig geklärt werden, auf jeden Fall regierten in Rom im 2. Jahrhundert sowohl Kaiser Antoninus Pius als auch sein Nachfolger Marcus Aurelius Antoninus, die beide gemeint sein könnten.

Schon zwei Generationen früher war ein chinesischer General bis weit in den Mittleren Osten vorgedrungen und hatte einen Gesandten namens Gan Ying ausgeschickt, um mit dem Herrscher des römischen Reiches Kontakt aufzunehmen. Dieser Gan Ying erreichte allerdings nur Mesopotamien, weil ihm parthische Händler falsche Angaben über die Reisezeit nach Rom machten, um ihr Monopol im Fernhandel nicht zu verlieren.

Erst die zunehmende Verlagerung auf den Seehandel in der frühen Neuzeit führte zum endgültigen Bedeutungsverlust der als Seidenstraße bezeichneten Fernhandelsrouten: Nun ersetzten Schiffe der Handelskompanien die Seidenstraße als Verbindung nach Ostasien, um von dort Luxusartikel und Kunstgegenstände für den europäischen Adel zu besorgen.