He, was wollen wir denn an diesem Internationalen Frauentag machen? Genau dasselbe wie an jedem Internationalen Frauentag, natürlich. Wir versuchen, die Hälfte der Weltherrschaft an uns zu reißen. Also wir, die Frauen. Haben wir das in Österreich nicht eh längst geschafft? Immerhin dürfen wir seit 100 Jahren wählen. (Ach, ob wir Kinder haben wollen oder eine Karriere?) Und wir haben hier bei uns sogar mehr als die Hälfte der Weltherrschaft an uns gerissen. Oder sind etwa nicht über 50 Prozent der Wahlberechtigten weiblich?

Und sie, die Männer? Haben ebenfalls das Wahlrecht (ach, das Recht, sich zwischen Karriere und Beruf zu entscheiden?) und sind vermutlich grad massiv verunsichert. Wird von ihnen womöglich erwartet, dass sie den Frauen heute Blumen schenken, und wenn ja: welchen Frauen? Weil wenn sie versehentlich die falschen erwischen, werden sie vielleicht wegen sexueller Belästigung angezeigt. Oder sollen sie ihnen Frühstück machen und ein Gedicht aufsagen? ("Zum Internationalen Frauentag / sag ich dir, dass ich dich mag.") Und wenn sie allen ihren Facebook-Freundinnen "Alles Gute zum Frauentag" auf deren Timeline posten, kriegen sie dann ein Like oder werden sie mit ziemlicher Sicherheit defriendet? In Berlin zumindest müssen sich keine Chefs mehr (der Chef: männlich) mit der Frage quälen, ob sie ihren Sekretärinnen Kaffee kochen sollen. Dort ist der Frauentag nämlich ab sofort ein gesetzlicher Feiertag, an dem alle frei haben: Chefs, Sekretärinnen und Bürokaffeemaschinen. In Österreich könnte man/frau sich höchstens einen "persönlichen Feiertag" nehmen. Heuer zwar nimmer. Den muss man schließlich Wochen im Voraus buchen. Aber für die Männer wäre es noch nicht zu spät, an ihrem Tag Urlaub zu machen. An welchem der beiden? Am Internationalen Männertag (19. November) oder am Weltmännertag (3. November)? An Ersterem. Weil Letzterer fällt diesmal auf einen Sonntag. Zwei Männertage? Werden die Frauen da nicht ein bissl diskriminiert? Nein, wieso? Ihr Weltfrauentag findet halt am selben Tag statt wie der Internationale Frauentag. Und Frauen sind bekanntlich multitaskingfähig. Die können zwei Tage gleichzeitig verbringen. (Und feiern.) Wenn zum Beispiel der Equal Pay Day von "irgendwann im Oktober" auf den 31. Dezember verschoben und mit Silvester zusammengelegt werden würde, hätten die wahrscheinlich kein Problem damit.

Auf den doppelten Frauentag könnte ich allerdings verzichten. Ich hab jeden Monat meinen Frauentag. Und nicht nur einen. Im Jahr komm ich so locker auf 60. Und an mindestens 24 davon krümme ich mich daheim auf dem Sofa wie eine Würmin. Vollgepumpt mit Schmerzmitteln. (Zwei Tafeln Schokolade.) Während mir der Fernseher in jeder Werbepause einreden will, dass ich aufspringen und eine Kletterwand hochkraxeln könnte. Und mich auffordert, das gefälligst auch zu machen: "do!" (Sprich: du!) Tu’s einfach! Als ob ein Tampon ein Dopingmittel wäre, das aus einer Couchlägrigen dank dieser revolutionären Dynamic-Fit-Technologie eine Spitzensportlerin macht. Ich verkneif mir jetzt meine Assoziation. Okay, ich assoziiere doch: Blutdoping. Jedenfalls brauch ich da echt nicht auch noch einen 8. März, der mich daran erinnert, dass ich eine Frau bin. Trotzdem: Ich wünsche allen einen schönen Frauentag.