Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Peter Schröcksnadel ist ein Mensch mit großem Gespür. Der merkt Dinge früher als andere. Wenn beispielsweise österreichische Wintersportathleten des Dopings überführt werden oder sexueller Missbrauch in Ausbildungsstätten des schneeweißen Betriebs stattfindet, dann handelt es sich freilich nicht um das Erschwindeln von Leistung oder um Ausnützung eines Machtverhältnisses, nein, sondern um etwas ganz anderes. Was genau, weiß aber nur Peter Schröcksnadel.

"Man muss nachdenken, ob es nicht eine Gruppe gibt, die uns schaden will", sagt er ins ORF-Mikrofon. Und wenn das der Peter Schröcksnadel sagt, dann stimmt das auch. Wenn der eine "getürkte Aktion" wittert, dann ist das auch so. Belegt durch nichts als durch dieses einfache, aber ehrliche Peter-Schröcksnadel-Gefühl.

Wie könnte sich auch der ÖSV-Präsident, der ehemalige Vizepräsident des Österreichischen Olympischen Komitees, der Geschäftsführer der Austria Skiteam Handels- und Beteiligungs GmbH, der Geschäftsführer der Austria Ski Nordic Veranstaltungs GmbH, der Geschäftsführer der Austria Ski WM und Großveranstaltungs GmbH, der Geschäftsführer der Austria Ski Veranstaltungs GmbH und der Geschäftsführer der Sitour Mangement GmbH irren?

Wer so viele Funktionen erfüllt, der denkt nicht mehr an sich selbst. Der fühlt nur noch für andere. Und eben auch mehr als die. Und beantwortet deshalb seine selbstgestellten Fragen auch gleich selbst. "Natürlich gibt es eine Gruppe. Es gefällt vielen nicht, dass wir sehr erfolgreich sind", sagt er. Und da hat er natürlich recht. Denn es kann ja nichts Wichtigeres, Tolleres, Anstrebenswerteres und Beneidenswerteres im Leben geben, als Skifahrer zu sein. Oder etwas mit Skifahrern zu tun zu haben. Oder wenigstens an Skifahrern Geld zu verdienen.

Der Geist des Schröcksnadel, man könnte auch von einem Schröcksnadelismus sprechen, zeigt allen Unwissenden den Weg zur Erleuchtung. Und der geht nach oben. Und von dort wieder runter. Dann wieder mit dem Lift rauf. Kurz gesagt: Werde Wintersportler. Dort oben im Schnee gibt es zwar Blutdoping und ab und zu eine versuchte Vergewaltigung im Hotelzimmer, aber koa Sünd’. Alles, was es gibt, sind mentale Stärke, zwoa Brettln und a gfiariger Schnee.

Denn nichts, aber auch wirklich gar nichts, ist wichtiger als Skifahren. Das ist die einzige und edelste Bestimmung des Menschen. Zumindest des Österreichers. Und ob die Nichtösterreicher wirklich Menschen sind, ist ja noch nicht restlos geklärt. (Schröcksnadel ist ja Tiroler. Ein Menschenschlag, der bekanntlich noch eine viel engere Definition des Homo sapiens hat. Stichwort: Bischt a Tiroler, bischt a Mensch. Bischt koa Tiroler... der Rest ist Schweigen.)

Welche Österreicher haben denn etwas Größeres vollbracht als einen Wintersport-WM-Titel? Schrödinger hat eine Katze in eine Schachtel gesperrt und dafür den Nobelpreis bekommen. Freud hat sich dauernd versprochen und wurde dafür weltberühmt. Aber was ist das schon gegen eine gelungene Abfahrt? Einen gewonnenen Riesenslalom? Eine Medaille bei der nordischen Kombination? Nichts. Wusste doch schon Falco: Den Schnee, auf dem wir alle talwärts fahren, kennt heute jedes Kind. Und wo kommt der her? Aus Schneekanonen. Ski Heil!

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

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