Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek

Nein, hier geht es nicht darum, dass Navigationssysteme gutgläubige Autofahrer manchmal in Sackgassen, in unwegsames Gelände oder gar in einen Bach lotsen. Wir wollen uns mit der Frage befassen, wie die GPS-gelenkte Stimme mit uns redet. Dass die Systeme von Google, Garmin oder Tomtom mit der Aussprache von Straßennamen ihre Probleme haben, ist ja kein Geheimnis. Ich habe mich damit abgefunden. Vermutlich ist es schwierig, eine Computerstimme korrekt zu programmieren. Es kann ihr ja nicht jeder Straßenname vorgesprochen werden, das wäre nicht praktikabel. Also müssen im Zuge der Programmierung Ausspracherichtlinien definiert werden, die in möglichst vielen Fällen passen. Wenn aber beispielsweise ein kompliziert auszusprechender Familienname als Teil einer Straßenbezeichnung auftaucht, ist das System hoffnungslos überfordert. Es kann nicht einmal erkennen, aus welcher Sprache der Name stammt.

Eine zusätzliche Erschwernis sind regionale Besonderheiten. So wird das Wort für einen gemauerten Uferdamm, nämlich Kai, im Osten und Süden Österreichs "kee" ausgesprochen. Im Westen Österreichs und in Deutschland sagt man hingegen "kai". Ich muss immer schmunzeln, wenn ich in Wien zum Franz-Josefs-Kai oder zum Handelskai dirigiert werden - die Computerstimme glaubt, "kai" ist die richtige Aussprache, nicht "kee". Die Stadt Salzburg kann übrigens als eine Art Übergangsgebiet gelten. Dort gibt es einerseits den Makart-Kai, gesprochen "kee", anderseits die Kaigasse, gesprochen "kai". Das Wort ist aus dem Niederländischen entlehnt, genauso wie englisch quay und französisch quai. Im Filmtitel
"Die Brücke am Kwai" geht es hingegen um den Namen eines Flusses in Asien.

Mich stören die Fehler in der
Programmierung nicht besonders. Schade wäre nur, wenn wir Wiener eines Tages die Ausdrucksweise der Navis für richtig hielten und unsere eigene für falsch.

Aber wenn wir gerade bei der Sprache der Navigationssysteme sind: Unlängst schrieb mir ein sprachbewusster WZ-Leser: "Warum verschluckt die Computerstimme bei Google Maps immer die Endsilben?" Als Beispiel nannte Anton Zirkl den Satz: "Im Kreisverkehr nemm’ Sie die zweite Ausfahrt!"

Mir ist das auch aufgefallen. Eigentlich könnte man von der Stimme, die aus einem Navigationsgerät zu hören ist, erwarten, dass sie keine dialektale Färbung aufweist. Das tut sie aber. Der Satz klingt wie eine Mischung aus hochsprachlichem "nehmen Sie" und norddeutschem "nemm’ Se".

Wer auf dem Lande mit dem Auto unterwegs ist, kommt nicht umhin, alle paar Minuten einen Kreisverkehr zu passieren - und bei jedem Kreisverkehr ist der Satz zu hören: "Nemm’ Sie . . ." Das nervt.

Inzwischen sind Navigationssysteme auch das Thema von Witzen geworden, ein Zeichen, dass die Technologie in unserem Alltagsleben angekommen ist. Ein Sprachwitz, der mir gut gefällt, spielt irgendwo in den Vereinigten Staaten, vielleicht in den Everglades, das ist ein riesiges, an Tierarten überaus reiches Marschland in Florida. Es handelt sich um einen Dialog zwischen zwei Krokodilen. Sagt das eine: "Frank, I bought a GPS-System!" Darauf das andere: "Now you are a navi-gator!"

Robert Sedlaczek ist
Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.