Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek

Unlängst besuchten wir eine befreundete Familie. Nach dem Abendessen stellte uns Claudia, die Frau des Hauses, ihre neueste Errungenschaft vor: Alexa, den digitalen Assistenten von Amazon.

Alexa entpuppte sich als eine Art Party-Gag. Zunächst führte uns Claudia vor, wozu das Helferlein imstande ist. "Alexa, wie ist das Wetter in Kuala Lumpur?" - "In Kuala Lumpur, Malaysia, beträgt die Temperatur aktuell 25 Grad. . ." Es folgte eine detaillierte Wettervorhersage.

Aber weiß Alexa auch über das Wetter in Neulengbach Bescheid? "In Neulengbach beträgt die Temperatur aktuell 5 Grad. . ."

Alexa kann auch Witze erzählen, meist sind es Flachwitze: "Fragt die Lehrerin: ,Fritzchen, warum heißt unsere Sprache auch Muttersprache?‘ - ,Weil Vati in ihr nicht zu Wort kommt.‘" Oder: "Warum wollte Stefan nie über seine Knie sprechen? - Weil sie unter der Gürtellinie liegen."

Wir haben dann Alexa mit absurden Fragen genervt. "Öffne die Gästetoilette!" Alexa war keineswegs verlegen. "Mit wem habe ich das Vergnügen auf der Toilette zu sein? Und Händewaschen nicht vergessen!" - "Bist du verliebt?", wollte Melita wissen. Die Antwort fiel diplomatisch aus. "Ich liebe alle, die mich mit spannenden Fragen auf Trab halten." Klaus stellte eine destruktive Frage: "Starte deine Selbstzerstörung!" - Alexa sagte: "10, 9, 8. . . 1. Es ist ein Fehler aufgetreten."

Das Selbstzerstörungsprogramm funktionierte also nicht, Alexa arbeitete weiter. "Alexa, spiele Elvis Presley!" Sekunden später ertönte aus dem kleinen Lautsprecher "Suspicious Minds". Als Elvis Presley fürchterlich outriert "Bridge over Troubled Water" sang, sagte ich: "Ich gehe jetzt schlafen!" Auch darauf hatte Alexa eine passende Antwort parat: "Gute Nacht! Soll ich dir ein Gute-Nacht-Lied vorsingen oder möchtest du eine Gute-Nacht-Geschichte hören?"

Am nächsten Tag versuchte ich herauszufinden, was das Internet von Alexa hält. Tests hatten ergeben, dass Alexa in vielen Bereichen nicht besser ist als das Konkurrenz-Produkt von Google. Auch der Google-Assistent weiß über das Wetter in Kuala Lumpur und in Neulengbach Bescheid, er spielt "Suspicious Minds" via YouTube, navigiert dich mit Google Maps durch die Stadt, beantwortet Wissensfragen mit Hilfe von Wikipedia und erzählt Flachwitze. Frage an den Google Assistenten. "Bist du verliebt?" - "Ich glaube, ich werde für immer suchen. Das ist wahrscheinlich vorprogrammiert." Der Google-Assistent ist ideal für unterwegs, Alexa ist ideal für zuhause. Mit Alexa kann man sogar die Heizung steuern und das Licht ein- und ausschalten.

Ich habe auch gelesen, dass Alexa für Datenschützer ein rotes Tuch ist. Alexa nimmt alle Gespräche auf, sie muss jederzeit alert sein, um reagieren zu können. Es wird daher empfohlen, Alexa auszuschalten, wenn der Dienst gerade nicht in Anspruch genommen wird.

Das Kennwort "Alexa", eine Kurzform von Alexandra, kann übrigens geändert werden. Ich frage mich, was Oskar Kokoschka gemacht hätte. Vielleicht hätte er "Alexa" auf "Alma" umgetauft und das kleine Gerät in seine Puppe, die als Surrogat für Alma Mahler gedacht war, eingebaut? Dass er damit glücklich geworden wäre, ist zu bezweifeln.