Wenn ich eine Zeitmaschine hätte, wüsste ich genau, was ich jetzt täte. (Hier ist es übrigens noch Mittwoch. Am Abend.) Ich würde eineinhalb Tage in die Zukunft reisen, mir selber die "Wiener Zeitung" vom Fußabstreifer flauchen, mit ihr in die Gegenwart zurückkehren, Seite 18 aufschlagen und meine Freitagskolumne einfach abschreiben. Weil ich weiß echt nicht, was über die Zeitumstellung noch zu sagen wäre. (He, würde dann eigentlich am Freitag in der Früh wieder eine frische Zeitung auf meiner Dacke liegen? Und besäße ich nachher zwei?)

Okay, ich könnte natürlich mit Qatar Airways in die Zukunft fliegen. Zum Beispiel morgen, Donnerstag, den 15.45-Uhr-Flug nach Samoa nehmen. Dort ist es nämlich 13 Stunden später. Und drei viertel vier am Nachmittag plus 13 Stunden ist? Richtig: drei viertel fünf am nächsten Morgen. Wenn die Zeitungszusteller unterwegs sind. Allerdings bräuchte ich für die 13 Stunden ganze 33 (!) Stunden. Müsste noch dazu auf eine zweite Zeitmaschine umsteigen. Von Air New Zealand. Außerdem wäre ich am Ende über 16.000 Kilometer von meiner Fußmatte entfernt. Und wenn ich sie mitnähme? Als Handgepäck?

Moment. Ich muss doch gar nicht auf die Printausgabe warten. Dieser Text ist ja schon am Donnerstag online, oder? Circa 16.30 Uhr. Würde ich also um 11.00 Uhr die Aeroflot-Maschine nach St. Petersburg besteigen und pünktlich um 15.30 ankommen, obwohl die Flugzeit nur zweieinhalb Stunden betragen hat und nicht viereinhalb, wäre ich logischerweise in der Zukunft gelandet. Hätte ich zwei Stunden Vorsprung. Ich müsste mich lediglich ein Stündchen gedulden, um 16.30 Uhr auf www.wienerzeitung.at schauen, meine Kolumne rauskopieren (die sicher beginnen würde: "Wenn ich eine Zeitmaschine hätte . . .") und sie an die Redaktion mailen, wo sie kurz nach 14.30 Uhr einlangen würde. Rechtzeitig, um um 16.30 Uhr online zu gehen. Und ich könnte sogar noch etwaige Rechtschreibfehler ausbessern. Genial. Die Eremitage ginge sich ebenfalls noch aus. Und wie bezahl ich das alles? Na, von meinem Lottogewinn. Bleib ich halt bis Sonntag, verfolge die Ziehung um 19.17 Uhr auf ORF 2 mit (wie ich das Geoblocking mit einem VPN austrickse, finde ich auch noch raus), ruf den Heinz in Wien an und geb ihm die sechs Richtigen durch. Annahmeschluss ist ja erst um 18.00 Uhr. Was, für Russland brauch ich ein Visum? Blöd. Ach, Zeitreisen sind eh ungesund. Wegen dem Jetlag. Deshalb hat die EU doch eine Reisewarnung ausgesprochen. Für sämtliche Flugreisen in Destinationen außerhalb der eigenen Zeitzone. I wo. Es werden bald diese Zeitsprünge Ende März und Ende Oktober abgeschafft.

Am Sonntag ist’s wieder so weit. Um den Time Warp zu initiieren, müssen in Europa aber nicht alle synchron nach links hüpfen und: Schritt nach rechts, Hände an die Hüften, Knie zusammen, Becken vor. Bloß ihre Uhren vorstellen. Und ab 2021 sitzen wir in Österreich wohl für immer in der Zukunft fest. Und wer weiß, wie schädlich es ist, dauernd live zeitversetzt zu leben. Der Juncker hätte wenigstens vorher die Samoaner fragen können, wie sie sich fühlen. Die sind ihrer Zeit schließlich gleich einen Tag voraus. 2011 haben die ja den 30. Dezember übersprungen. Als sie am 29. um Mitternacht kollektiv über die Datumsgrenze gehüpft sind. Nach links. (Oder sind sie eigentlich in die Gegenwart retourgehopst?)