Holger Rust, geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover.
Holger Rust, geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover.

Aus einem Grund, den ich hier wirklich nicht nennen möchte, tauchte aus den Tiefen meines Gedächtnisses, ja vielleicht sogar meines Unterbewusstseins, eine geniale Karikatur des vor einigen Jahren noch weltbekannten Gary Larson auf. Da sitzt ein etwas überfordert wirkender eher junger Mann auf der Bettkante und schaut irritiert auf einen großen Merkzettel, den er sich an die Wand gehängt hat: "Erst die Hose, dann die Schuhe!"

Ein Ratschlag fürs Leben, vermutlich dort appliziert von einem, der schmerzhaft viele einschlägige Erfahrungen mit der anderen Reihenfolge gemacht hat, was nicht selten ist. Ich weiß von einem Bekannten, der versucht hat, ohne die Schuhe vorher auszuziehen die Hose zu wechseln, sich dabei verhakte, ein wenig auf einem Bein rumtaumelte, dann gegen das Buchregal prallte und dieses umriss, was . . . ach, lassen wir es gut sein. Jedenfalls brach er sich einen Arm.

Kurz nachdem ich also diese Karikatur wieder vor meinem geistigen Auge sah, poppten allerlei andere Erfahrungen auf. Und da habe ich so manches beizutragen, ich könnte ganze Wohnungen mit Merkzetteln tapezieren. Zum Beispiel: Wenn man bei sich einen plötzlichen unerklärlichen Gewichtsverlust entdeckt, muss das nicht immer bedeuten, dass eine verborgene Krankheit an einem nagt - oft ist einfach nur die Waage defekt. Das stellte ich bei einem Arzt fest, den ich mit Todesahnungen aufsuchte. Oder etwas ganz anderes: Falls man noch einen Duschvorhang hat - immer in das Becken hängen, nie nach draußen; es sei denn man will das Wasser nutzen, um später den Kachelboden zu wischen.

Weiter: Immer davon ausgehen, dass Mr. Murphy (der mit Murphys Law) ein haltloser Optimist war, als er feststellte, dass alles, was schiefgehen kann, auch schiefgehen wird. Der Mann hat keine Ahnung: Es geht vor allem schief, was nicht schiefgehen kann. Und weiter: Horoskope stimmen doch, vorausgesetzt, man liest so viele wie möglich für ein und denselben Tag. Man kann sich dann aussuchen, welches Blatt seriöser wirkt.

Letzter Ratschlag: Sollten Sie anlässlich der Eingangsbemerkung über den "vor einigen Jahren noch weltbekannten Gary Larson" glauben, er sei gestorben, dann ist das falsch. Larson wollte einfach nicht mehr. Schwer zu verstehen. Aber vieles, das schwer zu verstehen ist, hat einfache Gründe. Nur kennen wir die meistens nicht. Oder wir verstehen die Hintergründe nicht, wie beim Gewichtsverlust und der defekten Waage.

Was mich zur letzten Bemerkung motiviert: Wenn man bei sich eine plötzliche unerklärliche Gewichtszunahme entdeckt, muss das nicht immer heißen, dass man zu viel gegessen hat; oft ist einfach nur die Waage schon wieder defekt. Darauf bin ich dann übrigens selber gekommen. Allerdings erst, nachdem ich zur Sicherheit einen Arzt aufgesucht habe, um mich wiegen zu lassen. Dennoch bleibt ein kleiner Zweifel: Was, wenn seine Waage auch kaputt war?