Es klingt pathetisch, ist aber banal realistisch: Wir werden auch in Zukunft noch Autos brauchen. Und zwar Autos mit Verbrennungsmotoren, Allradantrieb und konservativer Kantigkeit. Autos wie den Suzuki Jimny. Sagt Ihnen nichts? Das ist ein japanischer Jeep, der aussieht wie ein zu heiß gewaschener Puch G (den es seit dem Jahr 2000 neu nur mehr als Mercedes gibt, aber dreinschauen tut dieser Geländewagen immer gleich markant). Man kann diesen Bonsai-G erst seit wenigen Wochen hierzulande offiziell kaufen - und schon winkt die freundliche Dame vom Autohaus Suzuki Mayer in Tulln ab: Lieferzeit eineinhalb Jahre, der Hersteller könne leider, leider nicht mit der Nachfrage mithalten. Das spricht für diesen Fahrzeugtyp. Und seine aktuellste Interpretation.

Aber leben überhaupt so viele Förster, Jäger und Berghüttenwirte in Österreich, die unbedingt über Stock und Stein, durch Schlamm und Schnee tschundern wollen, nein: müssen? Und haben die nicht alle eh längst einen Lada Taiga? Die Frage ist richtig, aber an die falsche Adresse gerichtet. Man wird den schnuckeligen Jimny - dem am besten die Antitarnfarbe "Kinetic Yellow" steht - wohl häufiger in Wien-Neubau oder in der Innenstadt von Sankt Pölten oder Bludenz bewundern können als in freier Wildbahn. Gilt ja auch für alte Daktari-Land Rover. Nicht, dass man dort 21 Zentimeter Bodenfreiheit, eine elektrisch unterstützte Kugelumlauf-Lenkung, eine Extra-Geländeübersetzung und eine Bergziegen beeindruckende Klettertauglichkeit (Hinterrad-Böschungswinkel 48 Grad!) unbedingt bräuchte, aber der bourgeoise Bohemien von heute möchte die letzten Abenteuer auskosten, die das Politbüro noch zulässt. Dass es im Fonds nur Zwergensitze gibt und, sollten diese mutig erklommen werden, keinen Kofferraum mehr, ist da auch eher nebensächlich. Der Jimny ist eindeutig ein Lifestyle-Vehikel.

Und dann auch wieder nicht. Im Waldviertel und am Semmering und gewiss auch im Umkreis der Großglockner-Hochalpenstraße werden solche Fahrzeuge gebraucht wie ein Bissen Brot. Ich meine das nicht zynisch. Das Gerät kostet nunmal nur einen Bruchteil all der rustikalen SUV-4x4-Luxuspanzer, die bei Dritthausbesitzern zum Standard-Inventar gehören. Dass dort auch immer häufiger Starkstrom-Steckdosen zu finden sind, lässt auf eine gewisse Variabilität schließen, was die Zukunftsaussichten betrifft. Aber, unter uns: Mit öffentlichen Elektrotankstellen jenseits des Einzugsgebiets größerer Städte sieht es immer noch düster aus. Und erklären Sie dem Tellerwäscher in der alpinen Schutzhütte einmal, er möge sich nach einem Tesla umschauen, weil Elon Musk solch ein toller Disruptions-Daddy ist.

Mir taugt dieser simpel gestrickte, strikt funktionelle und alltagstaugliche Benzin-Bergfex made in Japan jedenfalls. Sehr. Trotzdem würde ich ihn niemandem empfehlen, der eher die Autobahn als den Feldweg ansteuert. Dann wird es schnell laut, wackelig, ruppig. Und leider auch leicht unsicher (Bremsweg! Kurvenneigung! Beschleunigung!). Für schwieriges Terrain aber gilt strikt das Gegenteil. Dort ist jene Zielgruppe daheim, die dem Jimny zu wünschen ist. Und vice versa. Dem Rest der automobilen Welt möge man doch bitte einreden, dass es viel schicker ist, mit einem Traktor (oder, wahlweise, einem Elektroroller) vor dem Eissalon vorzufahren.