Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Jetzt also auch die Ukraine. Nachdem schon in Italien ein Komiker eine politische Bewegung gegründet hat, die isländische Hauptstadt Reykjavík lange Zeit von Spaßmachern regiert wurde und mit Martin Sonneborn sogar ein deutscher Humorist im Europaparlament sitzt, schickt sich die ukrainische Bevölkerung an, einen Fernseh-Komiker zum Präsidenten zu machen. Spaßpolitik und Gouverentertainment sind eindeutig im Kommen. "Spaßregierungen" sind ein Megatrend.

Diese Chance kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Also greife ich jetzt nach der Macht. Mein Programm ist schnell umrissen: Ignoranz, Chupze und Hochmut, kurz: I.C.H. Da bin ich mir sicher, kann sich jeder wiederfinden. Und wenn das nicht reicht, verspreche ich allen alles, weswegen ich auch nach der Wahl nichts davon halten werde. Aber, hallo, es hat Spaß gemacht. War nur ein Schmäh.

Kaum hab ich dann mein Amt erklommen, greife ich durch . . . also ich greife in jede öffentliche Kasse, die ich finden kann. Ich lasse auf Pump Paläste errichten, die alle so aussehen, als ob ein nicht sehr talentiertes Kind mit Duplo gespielt hätte. Was auch der Wahrheit nahe kommt, schließlich habe ich all die Entwürfe selbst geschaffen. Sämtliche Radio- und TV-Sender werden privatisiert und zu einem Medienunternehmen zusammengelegt. Der Inhaber dieses sympathischsten Meinungsmonopolisten - seit es keine Kartellbehörde mehr gibt - ist mein Hund. Den ich natürlich gerne bei den Vorstandssitzungen vertrete.

Das Programm wird einfach, aber banal: Hunde-, Katzen- und Nilpferdvideos, ab und zu durchbrochen von knallhartem Aufdeckungsjournalismus. Beiträge wie "Enthüllt! Wie großartig unser Staatschef wirklich ist" oder "Die schockierende Wahrheit: Niemand ist so cool wie unser politischer Leader!" werden keine Seltenheit sein. Aber natürlich gibt es auch Feel-good-Berichte zu sehen, etwa: "So gemütlich hat es die Opposition in ihrem Arbeitslager". Das freut die ganze Familie und wen es nicht freut, der wird das bei der nächsten Verlängerung seiner Existenzberechtigung bitter bereuen.

Gut organisierte, spontane Kundgebungen voll geheuchelter Begeisterung poppen auf, wo immer ich mich in der Öffentlichkeit zeige. Und auch die Attentatsversuche lassen mich kalt, weil ich mich sowieso nur per Hologramm den von mir liebevoll "hirnloses Xindel" genannten Massen zeige. Ich entwerfe neue Uniformen für die Exekutive und freue mich jedes Mal wie ein Schnitzel, wenn einer dieser lila-türkis-karierten Beamten vor mir salutiert.

Selbstverständlich ändere ich auch die Hymne. Ab jetzt wird zu Staatsakten, Fußballspielen und zu jeder Viertelstunde "Oh Tannenbaum" abgespielt. Was ich mit "Wegen des Klimawandels" inhaltlich auch stark begründe. Meine Amtszeit dauert bis zu meinem Tod, den ich allerdings durch geschicktes Klonen und Wiederklonen bis ins Jahr 2521 hinausschiebe. Man kann sich also schon auf mich freuen.

Jetzt stellt sich natürlich nur die Frage, in welchem Staatswesen ich mein Unwesen treiben soll. Deutschland? Dänemark? USA? Russland? Trinidad und Tobago? Vatikan? Österreich wird es sicher nicht. So lustig wie die aktuelle Regierung
ist . . . das schaff’ ich nie.