Sie haben uns einige der bedeutendsten Erfindungen hinterlassen und für Jahrhunderte den Handel im Mittelmeerraum kontrolliert, dennoch sind sie den meisten heutzutage kaum noch ein Begriff: das Volk der Phönizier lebte vor 3000 Jahren im Nahen Osten, vor allem im Bereich des heutigen Libanon und Nordisraels, und unternahm von dort aus Fahrten durch das ganze Mittelmeer, bis hin nach Spanien und weiter ins ferne Britannien. Ihre wohl bedeutendste Gründung war die antike Metropole Karthago, deren Bewohner später mit den Römern um die Vorherrschaft im westlichen Mittelmeerraum rangen. Möglicherweise umrundeten phönizische Seefahrer im Auftrag des ägyptischen Pharaos Necho sogar Afrika - und das zweitausend Jahre bevor die Portugiesen einen Seeweg nach Indien suchten.

Israelische Forscher haben jüngst eine Erklärung für die gefahrvollen und riskanten Handelsfahrten der frühen Phönizier gesucht und dazu Funde aus drei phönizischen Siedlungen im Nahen Osten untersucht. Dabei zeigte sich, dass die dort gefundenen Silberobjekte aus dem 10. Jh. v. Chr. aus Metall gefertigt waren, wie es nur in Anatolien (also der heutigen Türkei), auf der Ägäisinsel Santorin und auf Sardinien vorkommt. Später bezogen die Phönizier das kostbare Gut offenbar aus spanischen Minen sowie aus den griechischen Vorkommen in Lavrio im Südosten der Halbinsel Attika.

Diese archäologischen Befunde erfahren eine gewisse Bestätigung durch schriftliche Quellen. Ein Hinweis darauf, dass die tapferen Seefahrer bereits im 10. Jahrhundert v. Chr. an den westlichen Rand der antiken Welt vorgestoßen sein könnten, findet sich etwa in der Bibel. Das Erste Buch der Könige berichtet von Expeditionen, die König Salomon gemeinsam mit dem Phönizierkönig Hiram von Tyros unternommen hat, um Gold, Silber und andere Luxusgüter aus einem Land namens Tarschisch in ihre Heimat zu bringen. Damit könnte das Königreich von Tartessos in Südwestspanien gemeint sein, das in der Antike für seinen sagenhaften Silberreichtum bekannt war. Und auch griechische und römische Quellen berichten, dass die Phönizier dort Silber gewonnen haben.

Der Niedergang der phönizischen Handelsstädte im Nahen Osten kam schleichend: Während sie unter der persischen Herrschaft noch gute Geschäfte machen konnten, bedeutete die Eroberung von Tyros durch Alexander den Großen im Jahr 332 v. Chr. de facto das Ende ihrer wirtschaftlichen Freiheit. Im Westen erlebte Karthago in jener Epoche seine Blütezeit, die bis zu den Punischen Kriegen mit Rom anhielt, ehe die Stadt 146 v. Chr. von den Römern zerstört wurde.