Der erste Gedanke im Kopf meiner Frau zum Kauf des neuen Fahrrads geht ungefähr so: Nur kein teures bitte, weil das Ding wird sowieso gleich gestohlen. Absurd, oder? Es ist Frühling in Wien, und wir suchen uns Fahrräder in einer Produktklasse aus, die Diebe wenigstens ärgern würde, weil’s da eh kaum was bringt, wenn sie schon unbedingt klauen müssen. Als Kind hatte ich ein kleines Kofferradio auf der Stoßstange vom Zehngang-Rad. Meistens fuhr ich sehr langsam, so war der Empfang im Radio besser. Im Grunde ging es mir damals mehr ums Radiohören als ums Fahrradfahren. Mit so einer Geschichte muss ich meiner Frau nicht kommen. Wird sofort gestohlen, sagt sie. Zuerst das Radio, dann das Rad, außer du hast ein dickes Kettenschloss. Aber das hilft beim Radio auch nicht wirklich weiter.
Normalerweise sind wir nirgends so pessimistisch wie beim Fahrradkaufen. Aber seit sie mir einmal sogar den Sattel unterm Hintern weggezogen haben, nur weil der gerade nicht aus Plastik sondern halt eben etwas besser war, sagt meine Frau, kein teurer Ledersattel mehr, das lohnt sich nicht. Wir brauchen billige Räder mit teuren Ketten, sagt meine Frau. Ich bin begeistert. So raffiniert gehen wir nicht überall durchs Großstadtleben.
Zum Fahrradfest vorm Rathaus habe ich es dann doch nicht geschafft. Vor allem, weil ich mir den schönen Sonntag nicht mit einem Fahrradfest vorm Rathaus versauen wollte. Und meine Frau ging auch lieber ins Fitnesscenter. Ins Fitnesscenter muss ich nicht mehr. Weil ich bald sowieso nur noch sauschwere Fahrradkettenschlösser durch die Gegend schleppen werde. Das bringt mehr Muskeln als das ganze Strampeln. Das ist das Geheimnis dahinter.
Letzten Frühling gingen diese Überlegungen bis in den Herbst hinein. Am Ende befanden wir, dass es nun doch schon zu kalt und überhaupt viel zu unfreundlich ist, um jetzt noch ein Fahrrad zu kaufen. Über Ostern fahren wir an den Neusiedlersee. Die Fahrräder haben wir gemietet. Mal sehen, ob der Sommer neue Räder bringt. Für den Frühling, fürchte ich, geht sich das nicht mehr aus.