Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.  Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/sedlaczek

Alle Jahre wieder - kommt der Osterhase. Er bringt bemalte Eier, die er im Garten oder in der Wohnung versteckt. Warum er das tut, ist ein Rätsel. Gesichert ist, dass im 19. Jahrhundert durch die industrielle Herstellung von Rübenzucker die Produktion von Osterhasen und Ostereiern aus Schokolade für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich wurde. Erstmals erwähnt wurde der Osterhase bereits im Jahr 1682 - in der Dissertation eines Frankfurter Arztes, der in Heidelberg promoviert hatte. Nach ganz frühen Vorstellungen hat der Osterhase die Ostereier selbst gelegt. Ein Wunder der Natur.

In Lutz Röhrichs "Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten" kann man lesen, warum die Ostereier ins Spiel gekommen sind. Da der Genuss von Eiern in der Fastenzeit verboten war, hat die Kirche im zwölften Jahrhundert die "geweihten Eier" eingeführt und ihren Verzehr auf den Tag der Auferstehung Jesu festgelegt. Das Ei gilt seither als Symbol der Auferstehung. Aber wie die Eier in den Rucksack des Osterhasen kamen, ist unklar.

Nicht weniger rätselhaft ist die Herkunft des Wortes Ostern. In diesen Fall verlasse ich mich auf Kluge’s "Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache". Obwohl das Wort ein christliches Fest bezeichnet, sei sein Name aus der christlichen Terminologie nicht zu deuten. Eine Theorie geht von der lateinischen Bezeichnung albae (paschalis) für Ostern aus. Diese ist vom fünften Jahrhundert an bezeugt. Gemeint waren allerdings die weißen Kleider der um diese Zeit Getauften. Da das lateinische alba für weiß im Französischen ausstirbt, behält das Wort die spezielle Bedeutung Morgenröte, Morgenlicht. Dieselbe Bedeutung hatte ursprünglich auch das Wort für jene Himmelsrichtung, wo die Sonne aufgeht: im Osten.

Eine andere Theorie leitet Ostern von einem heidnischen germanischen Fest ab. Namensgebend sei die Frühlingsgöttin Ostara gewesen. Die Abhandlung eines angelsächsischen Mönchs aus dem Jahr 725 legt dies nahe. Was für die Griechen die Göttin Eos und für die Römer die Göttin Aurora war, das könnte für die Germanen Ostara gewesen sein: die Göttin der Morgenröte oder die Morgenröte selbst.

Damit schließt sich ein Kreis. Auf den Tagesanbruch ist auch die Auferstehung Christi festgelegt. Zu diesem Zeitpunkt schlägt die Trauer über den Tod Jesu in die Freude über die Auferstehung um.

Das alles deutet auf einen Zusammenhang zwischen Ostern, Morgenröte und Osten hin, allerdings nur über Umwege. Der leicht despektierliche Feiertagswunsch "Fröhliche Ostern! Fröhliche Western!" ist also gar nicht so absurd. Er stammt aus dem Jahr 1965, als Deutschland noch geteilt war. Der linke Kabarettist Wolfgang Neuss (West) lud den Sänger und Liedermacher Wolf Biermann (Ost) zu einem gemeinsamen Auftritt nach Frankfurt am Main. In der Begrüßungsconférence stellte Neuss, wie immer mit Paukeschlägen untermalend, seinen Gast vor: "Hurrah! Neuss, der kapitalistische Pauker,/Biermann, der kommunistische Troubadur./
Der proletarische Poet und der bürgerliche Trommler -/mal seh’n, ob’s geht!/Fröhliche Ostern! Fröhliche Western!" Das alles fand an einem Ostermontag statt.