Dass diese Dinger nicht ganz ungefährlich sind, das war mir natürlich schon bisher klar. Dass sie also süchtig machen, unfruchtbar, man taub wird, und Krebs kriegt man sowieso. Gut. Okay. Das hab ich noch alles irgendwie akzeptieren können. Oder: ignorieren. Aber Falten? Noch dazu im Gesicht? Bitte nicht!

Moment. Von Zigaretten wird man taub? Ich hab gedacht: blind. - Ja, das eh auch. Wieso überhaupt "Zigaretten"? Es geht um die Handys, hallo? Oder eigentlich um die "Smartys". Die Smartphones. Und da hat doch einmal einer, ach, zu laut Musik mit dem seinigen gehört? Falsch. Ohrenkrebs gehabt. Oder einen Hirntumor? Weil er verstrahlt worden war. (Echt? Der Akku ist ein Atomreaktor?) Und seither hört er auf dem einen Ohr nix mehr. (Na und? Telefoniert er halt mit dem anderen.) Damit die Menschheit aber nicht total ausstirbt, weil diese Massenvernichtungswaffe uns ja bereits umbringt, bevor wir geboren worden sind, soll die EU sogar schon erwägen, die Hosensäcke zu verbieten. Zumindest die vorderen. Denn steckt man sein Smarty dort rein, wird man impotent. Und wenn man’s hinten . . .? Bekommt man mindestens Verstopfung. (Äh, von welcher "Gesäßtasche" ist hier die Rede?)

Warum darf man so was noch immer an Minderjährige verkaufen? Und Reklame dafür machen? Ein TV-Spot für irgendein neues Killer-Smarty ist trotzdem nicht schuld daran, dass ich in der Nacht dauernd schweißgebadet aufwache und mir in Panik ins Gesicht fasse. Und dann kontrolliere, ob ich den Fernseher wohl ausgeschaltet habe. Der ist schließlich (wie das Smarty und der Computer) ein Gerät, das einen bei lebendigem Leib mumifiziert. Mit seinem blauen Licht. Nein: ultrablauen Licht. Ein Werbespot hat mich jetzt nämlich darüber aufgeklärt, dass ich unbedingt diese eine Creme mit Blue-Light-Schutz brauche. Wegen dem "Digital Aging". (Und was hilft gegen das analoge Altern? - Die andere Creme.) Stimmt, seit ich einen Laptop besitze, hab ich tatsächlich mehr Falten als . . . vor 20 Jahren. Verdammt, den Spot hätte ich mir nur gefahrlos anschauen können (ohne ein, zwei Lachfältchen dazuzukriegen), wenn ich mir die Creme, für die er wirbt, bereits vorher ins Gesicht geschmiert hätte. Weil der Fernseher doch dieses Licht . . . he, den könnte ich ab sofort verhängen. Und nachher die akustische Bildbeschreibung für Blinde aktivieren.

Kennen Sie übrigens noch den? (Aus "Rambo III".) Fragt einer den Rambo (und zeigt auf ein Staberl, so eins zum Knicken): "Wozu ist das?" - "Das ist blaues Licht." - "Und was macht es?" - "Es leuchtet blau." - "Verstehe." Nein, nix hat er verstanden. Und heute finde ich das auch nimmer lustig. Seit ich weiß, "was es macht". Es lässt den Feind (damals die Russen) verschrumpeln, erblinden (na ja, muss der seine eigenen Falten wenigstens nicht sehen) und stört seinen Biorhythmus. Weil ich hab’s selbstverständlich gegoogelt: "Blaues Licht." Bin dabei um Jahre gealtert.

Nicht, dass ich den Schmarrn aus der Werbung glauben würde. Dass mich eine Creme davor bewahren könnte, zur Rosine zu mutieren. Drum hab ich mir im Internet (leuchtet das nicht ebenfalls blau?) alles für eine Burka zum Selbermachen bestellt: ein Leintuch und zwei Löcher. (Daheim sieht mich eh keiner.) Das blaue Licht, das die Bildung von "freien Radikalen" fördert (von Terroristen?), hat mich also definitiv radikalisiert.