Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Spindoktoren, PR-Fachfrauen, Publizistik-Bacheloretten und die eine oder andere Reinigungskraft haben gemeinsam ihr Bestes gegeben und Politikbotschaften mit unglaublicher Wirkung entwickelt. In so einem intensiven Arbeitsprozess wandern aber manchmal Vorschläge in den Papierkorb, die viel treffender gewesen wären.

Beispiel die Grünen: "Zurück zu den Grünen" plakatieren sie jetzt. Dabei wäre doch "Bei dieser Wahl geht es ums Überleben. Um unseres" viel mehr am Punkt gewesen. Die ehemaligen Grünen der "Liste Jetzt" dagegen kandidieren gar nicht selber, sondern unterstützen einen anderen Ex-Grünen, der jetzt eine eigene Liste hat. Bei so viel interner In-, Um- und Reorganisation bleibt natürlich keine Zeit für eigene Plakate. Aber für einen Spruch hat es dann doch gereicht: "1Europa". "Ein Europaopa" wurde leider verworfen.

Ganz anders die Neos. Die sprühen nur so vor Ideen. "Neuropa" steht auf den Plakaten. Warum? Weil "Eurosa" keiner wollte. Und auch das total provokante "So, meine Herren" wurde erst in letzter Minute den weitaus volksnäheren Slogans "Servas die Madln, grias eich die Buam", "Hallo liebe Kinder" und "Seid Ihr alle da?" vorgezogen.

Vollprofis in Sachen Wahlkampf und Umgang mit Journalisten sind natürlich die FPÖler. Nein, nur in Sachen Wahlkampf. Und es hat ja schon der Parteichef und "BIEP!" Strache bei der Präsentation gesagt: "Sie wären sicher enttäuscht gewesen, wenn wir kein Plakat gehabt hätten, das sich wieder reimen würde." Sicher. Wer allerdings genau "sie" sein sollen, die "enttäuscht" gewesen wären, hat er leider nicht verraten. Dem fehlenden Reim ist es wahrscheinlich auch zu verdanken, dass der Vorschlag "Mir san mir und weil mir mir san, san nur mir mir, weil die anderen san ja net mir, denn des san ja mir" es nicht aufs Plakat geschafft hat. Aber auch die lyrischen Kleinode "Wir reimen etwas Deppertes/ und in Deinem Schädel scheppert es" oder "Harald Vilimsky ist der richtige Mann/ weil er mit Le Pen Champagner saufen kann" wurden leider verworfen.

Die SPÖ dagegen schickt die Wähler mit "Mensch oder Konzern" und "Europa braucht Ihre Antwort" auf eine Rätselrally. Der ursprüngliche Text hätte eigentlich lauten sollen "Wir wissen es ja auch nicht" und "Europa braucht Ihre Antwort, wir haben nur leider die Frage vergessen". Und auch die Konzepte, die auf den Spitzenkandidaten zugeschnitten waren - "Andreas Schieder. Weil irgendwas muss er ja tun" -, landeten schnell wieder im Müll.

Ganz anders da die Kanzlerpartei. Hier sieht man den Spitzenkandidaten Karas von einem grünen Hügel ins Land hinein schauen und in seinem Rücken steht "Europa beginnt hier". Der Mann steht also irgendwo an einer EU-Außengrenze, vielleicht in Vorarlberg, und schaut auf die Steueroase Liechtenstein. Beim ursprünglichen Spruch "Wir plakatieren unseren Spitzenkandidaten gerne von schräg hinten, damit wir jetzt schon überlegen können, wo wir später den Dolch ansetzen sollen" hatte der Kandidat angeblich "kein gutes" Gefühl. Jetzt werden Sie, liebe Leserinnen und Leser, wahrscheinlich noch wissen wollen, woher Ihr Glossenhauer diese geheimsten Wahlkampf-Infos hat. Nun, wir kennen alle Putzkräfte in den Parteizentralen.

Severin Groebner ist
Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener
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