Kennen Sie das Gefühl, augenblicklich im Boden versinken zu wollen? Kennt wohl jeder. Schweißausbruch, gerötete Wangen und nervöse Hektik inklusive. Ein entsprechendes Déjà-vu unterlief mir kürzlich - bei einer Präsentation vor größerer Runde, in einer staatstragenden Institution.

Anlass war die Entscheidungsfindung im Rahmen eines Wettbewerbs, bei dem es um ein Audio-Design ging, das im Lauf der nächsten Jahre hunderttausende Menschen zu Gehör bekommen würden. Etwa als Untermalung einer Telefon-Warteschleife. Die Entscheidung fällt da nicht ganz leicht, weil es keine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Wie immer auch: Das Abhören der unterschiedlichsten Vorschläge erfordert eine adäquate technische Installation. Und da war mir schon in der Vorrunde ein Lapsus unterlaufen. Ich hatte mir akustisch probate Aktivboxen ausgeborgt und steuerte sie - modern! elegant! drahtlos! - via Bluetooth an. Die Sache hatte nur einen Haken: Diese Übertragungstechnik verschluckte aus Gründen, die mir rätselhaft sind, immer die ersten zwei, drei Zehntelsekunden der dargebotenen Soundfiles. Das ist eher suboptimal. Es ist sogar mehr als das, nämlich richtig ärgerlich. Das sollte nicht noch einmal passieren. Ich wechselte also für die Schlussrunde das Audio-Equipment. Und packte einen kleinen Verstärker ein, den ich zuvor mit Staunen und Freude erprobt hatte: einen Dynavox VT-80. Ich will Ihnen gar nicht verraten, was diese kleine Kiste kostet, weil Sie dann lachen würden - aber sie spielt auf wie ein großer Verstärker. Man kann sie per USB, Bluetooth oder Cinch-Eingang befeuern oder wahlweise eine SD-Karte reinstecken. Ich hatte jedenfalls ein Kabel mit für den Fall der Fälle, wollte es aber nochmals per Funkverbindung versuchen. Dazu brauchbare kleine Passiv-Lautsprecher samt Boxenstrippen - und alles sollte klappen.

Nun, verschluckt wurde diesmal nichts. Dafür gab es dann gleich gar nichts zu hören. Was wohl eher am Laptop lag. Es ist nämlich so: Man muss sich durch ein halbes Dutzend Menüs hangeln, um den Ausgang der Soundkarte, die Bluetooth-Connection, die Lautstärke-Regelung des Audio-Programms etc. usw. usf. zu checken. Willkommen im digitalen Wunderland! Es ist umständlich, es ist nervig, es bietet unzählige Fehlerquellen.

Live vor Publikum einzugestehen, dass man jetzt leider auch nicht recht weiß, warum kein Pieps zu hören ist, verursacht dann die eingangs beschriebene Gefühlslage. Panisches Knöpfchendrücken und kopfloses Kabel-Ein-und-Ausstecken verschlimmert die Malaise meist noch. Und dann mitten in der peinlichen Selbstentblößung draufzukommen, dass ein Kontakt des sicherheitshalber eingepackten Cinch-
Kabels verbogen ist und der altertümlich-analoge Draht leider auch nicht hilft, treibt den Blutdruck weiter in ungeahnte Höhen.

Letztlich kamen dann doch Töne aus der Gerätschaft, alle fanden sie schön, und die Sache löste sich in Wohlgefallen auf. Dennoch möchte ich für alle Zeiten festhalten: Ich hasse Bluetooth. Wirklich stabil, verlässlich und fehlerfrei ist diese Technologie nie. Immer, wenn eine noch so kurze Funkstörung ein noch so kleines Störgeräusch hervorruft, wird das Loch der Selbstversenkung im Erdboden tiefer und tiefer.